„Eine einzige Stolperfalle“
07.07.2012 - BAD SOBERNHEIM
Von Gert Schatto
FRIEDHOF Seniorensprecher Gert Kühner beklagt Zustand rund um Leichenhalle
Gert Kühner hat die Berichte der AZ über die behinderten-unfreundlichen Bad Sobernheimer Verwaltungsgebäude aufmerksam gelesen. Und er kann die Kritik verstehen. Wie der ehemalige Landes-Behindertensprecher Udo Reichenbecher will es Kühner nicht in den Kopf, dass es einer Verwaltung über Jahrzehnte nicht gelingt, ihre Häuser barrierefrei einzurichten - in Zeiten, da die demografische Entwicklung mit immer mehr älteren Menschen längst das bestimmende Thema in der Bundesrepublik sei.
Kühner spricht da nicht als Privatmann. Er ist stellvertretender Bundesvorsitzender des Deutschen Postverbandes und dort Sprecher von über 10 000 Senioren. Und in dieser Position will Kühner natürlich nicht hinnehmen, dass ausgerechnet seine Heimatstadt die Barrierefreiheit derart vernachlässigt und somit mit schlechtem Beispiel vorangeht.
Kühner hat Verständnis dafür, dass heute in Zeiten leerer Kassen zweimal darüber nachgedacht wird, ob eine Verwaltung einen 150 000 Euro teuren Aufzug in ihr betagtes Rathaus einbaut. Doch in all den Jahrzehnten, seitdem die Probleme bekannt sind, hätte längst etwas getan werden können, pflichtet Kühner Reichenbecher bei.
Dass die Verwaltung jedes Jahr lieber fünfstellige Summen zahlt, statt die gesetzliche vorgeschriebene Anzahl an Behinderten einzustellen, kann der Bundesvize des Postverbandes schon gar nicht verstehen. Dieses Geld, rechnet Kühner den Oberen im Rathaus vor, hätte all die Jahre mehr als ausgereicht für einen barrierefreien Ausbau des Rathauses.
Doch Kühner will nicht nur schimpfen. Er begrüßt, wie der Beigeordnete Alois Bruckmeier (FWG) in der Stadt Bürgersteige absenken lässt, damit gehbehinderte Menschen leichter etwa von der Seniorenresidenz in die Stadt und zurück gelangen: „Ein guter Anfang.“ Auch hier, weiß Kühner, regiere zwar der Rotstift, „doch was vorstellbar ist, sollte man machen“, fordert der Seniorensprecher von der Stadt.
Jede Menge ist laut Kühner dagegen auf dem Friedhof zu tun. Er hat beobachtet, dass alte Leute den Weg aus der städtischen Friedhofshalle nur finden, wenn sie sich von Jüngeren stützen lassen. Und ganz schlimm sei der Weg zur Leichenhalle hin mit aufgebrochenem Teer und Schotterstücken „eine einzige Stolperfalle““ wie der Gehweg Richtung Osten. „Es muss doch nicht sein, dass da erst einer hinfällt, bevor die Stadt etwas tut“, schimpft Kühner. Die Finanzierung könne ja kein Problem sein: „Immerhin nimmt die Stadt bei Beerdigungen ja auch Geld ein.“


