Die Zeit für Bürger-Windpark bei Pferdsfeld scheint gekommen
28.06.2012 - BAD SOBERNHEIM
Von Gert Schatto
PFERDSFELD Stadtbürgermeister Greiner sieht Gelegenheit für Gespräche gekommen
Für seine Idee eines Bürger-Windparks mit Gewinn für alle auf und am ehemaligen Nato-Flugplatz Pferdsfeld hatte Bürgermeister Rolf Kehl (CDU) seinerzeit heftig Schelte einstecken müssen. Vor allem Ippenschieds Bürgermeister Reinhard Koch sprach für jene, die keine 200 Meter hohen Windkraftanlagen vor der Nase haben wollen. Mittlerweile hat sich die Lage entspannt. Auf Pferdsfeld selbst - und aus Ippenschied und Daubach weniger zu sehen - werden nur noch maximal drei der Propeller möglich sein. Der Schwerpunkt liegt außerhalb des Platzes, südlich könnten zwischen 12 und 15 der Anlagen gebaut werden. Eine Dimension, zu der auch Kehls Vision eines Bürger-Windparks eher passen würde. Überdies herrscht nun, da Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) den Windplan der Planungsgemeinschaft Rheinhessen-Nahe unterschrieben hat, Rechtssicherheit. Jeder kann nun verbindlich nachlesen, wo Rotoren stehen dürfen und wo nicht. Eine Verspargelung der Landschaft, wie anderswo auf dem Hunsrück, wird es bei Pferdsfeld nicht geben.
Die jetzt in Frage kommende Fläche südlich des ehemaligen Flugplatzes hat drei Eigentümer: Da ist der Bund mit dem meisten Land, gefolgt vom Landwirt Fuchs, und auch die Stadt ist mit im Boot. Vor allem hat sie das Sagen. Denn das Gelände für den möglichen Windpark liegt auf ihrer Gemarkung.
Bad Sobernheim hatte deshalb dort vor geraumer Zeit einen auf Windenergie zugeschnittenen Bebauungsplan auf den Weg gegeben, vor allem aber eine Veränderungssperre erlassen: Keiner darf dort, solange die Sperre läuft, eine Windkraftanlage bauen, wenn die Stadt das nicht will. Das hat gute Gründe. Bei den zwischen Windkraftanlagen vorgeschriebenen räumlichen Abständen würde der Erste, der eine Anlage hochzieht, das gesamte Gelände nachhaltig prägen.
Für Stadtbürgermeister Michael Greiner (SPD) ist denn auch mit der Rechtsgültigkeit des Windplanes die Zeit gekommen, konkret über den Windpark zu reden. Lockere Anfragen von Unternehmen, die südlich Pferdsfeld ins Geschäft mit dem Wind einsteigen wollten, habe es immer mal wieder gegeben, sagt Greiner. Ernsthaftes Interesse zeigte mittlerweile aber nur noch eine Gesellschaft, deren Namen der Stadtbürgermeister aber noch nicht nennen will.
Greiner wiederholt, dass er bei der Entwicklung eines Windparks in Kontakt mit den Nachbargemeinden des Flugplatzes bleiben wird, „wir wollen den Konsens“. Vor allem auf Pferdsfeld selbst könne die Stadt nicht „mit dem Kopf durch die Wand“ auch, weil es für dieses ehemalige Nato-Gelände einen Planungsverband der Stadt mit Ippenschied und Rehbach gebe, in dem jeder Beschluss mit Zweidrittelmehrheit zu fassen ist. Was gleichwohl nicht heißt, dass die Stadt sich ihren Kurs südlich Pferdsfeld aus den Dörfern heraus blockieren lassen wird.
Das erkennt auch Koch. Der Ippenschieder Bürgermeister ist schon mal froh, dass die Windkraftanlagen auf dem ehemaligen Flugplatz selbst nur noch im Südwesten möglich sind, weit weg von den Dörfern. Ein wichtiger Teilerfolg, mit dem er leben könne, sagt Koch. Südlich des Platzes habe aber die Stadt das Sagen, weiß der Ippenschieder - und erinnert sich deshalb gerne an Greiners Versprechen, im Gespräch zu bleiben: „Daran werde ich ihn erinnern.“


