In aller Herrgottsfrüh auf den Beinen
30.07.2011 - DUCHROTH
Von Beate Vogt-Gladigau
DORFLADEN Zu Gerda Schweitzer in Duchroth kommen um halb sechs am Morgen die ersten Kunden
Die ersten Kunden hat Gerda Schweitzer schon um 5.30 Uhr, obwohl sie ihren Dorfladen eigentlich erst um 6 Uhr öffnet. Aber Zeitschriften und Brötchen sind dringende „Zutaten“ auf dem Weg zur Arbeit. Dafür hat Schweitzer Verständnis. Aber auch für die Kaffee-Clique, die sich spätestens ab 8 Uhr versammelt, hat sie viel Sympathie. „Der Arbeitstag ist dann viel leichter“, behauptet die fröhliche Runde. Den Kaffee „ziehen“ sich die meisten selbst. Im Sommer wird vor dem Haus an Tischchen geklönt, im Winter beim Zeitungsständer.
Familiär geht es bei Gerda Schweitzer immer zu, die schon die Wünsche der Kundinnen erahnt. „Zwei Wasserweck, wie immer und auch zwei ,Feilbingerter’?“ Ja. Und auch ein Mausbrot. Ursprünglich war dieser Spezial-Laib in der „Sendung mit der Maus“ für Kinder kreiert worden, ist reich an Kalzium, Karotten werden auch mitgebacken. Aber es schmeckt offensichtlich auch der älteren Generation. Die Kaffeeteilchen, die eine Besucherin des Dorfladen-Treffs gerne zum zweiten Frühstück schnabuliert hätte, sind allerdings schon fast „alle alle“. So reißend ist der Absatz an diesem Morgen gewesen.
Ihre Stammkundinnen kennt Gerda Schweitzer alle mit Vornamen. Die Kinder natürlich auch. Ohne Keks verlässt keines den Laden.
„Wie von selbst“ hat sich die ursprüngliche Anlaufstation in Duchroth für Backwaren vor 14 Jahren - noch als Filiale von „Pfandlers Brotkorb“ - zu einem Dorfladen entwickelt, in dem es nicht nur „Vergessartikel“ gibt. „Wir haben das Sortiment nach dem Bedarf der Kunden ausgebaut“, so Schweitzer. Seit fünf Jahren bezieht sie alles, was gebacken wird, von der Bäckerei Kurz in Feilbingert, nachdem die Firma Pfandler ihre Tätigkeit einstellte. Kunden und Schweitzer sind mit dem Angebot aus dem Backofen hochzufrieden. Aber auch Timo Kurz gehört „irgendwie“ zur Talkrunde mit Kaffeegenuss. „Er kommt ab und zu vorbei, auch mit seinem 21 Monate alten Sohn Julius“, freut sich Schweitzer.
Mittlerweile gibt es nicht nur Frischeprodukte wie Quark, Milch und Käse, sondern Zeitschriften liegen eben so hübsch geordnet in den Regalen wie Dosenwaren, Backzutaten, Schmuckbänder, Tierfutter, Getränke, Präsentartikel oder Schreibwaren.
Letzeres schätzen vor allem die Schulkinder, weiß Gerda Schweitzer, denn neben einem Brötchen werden auch oft Bleistifte noch schnell gekauft, um einer Rüge des Lehrers zu entgehen. Der Dorfladen ist aber auch Anlaufstelle für die Apotheke in Odernheim. Der Zustelldienst bringt die georderten Medikamente, bei Gerda Schweitzer werden sie abgeholt.
Seit zehn Jahren führt Gerda Schweitzer den Tante-Emma-Laden in Eigenregie. Neben der Laufkundschaft halten auch gerne durchfahrende Autofahrer für eine Brotzeit oder Wegzehrung. Und dann ist es plötzlich schon 11 Uhr - offizieller Ladenschluss montags bis samstags.
„Es ist schön, es macht Spaß“, sagt Gerda Schweitzer über ihre Arbeit, und sie ist froh, eine so prima Vermieterin zu haben. Sabine Hofmann springt ein, wenn Gerda Schweitzer einmal in Urlaub fährt. Auch ihre Tochter Monika hilft aus. Gerührt war Gerda Schweitzer, als ihr eine „Stammtisch-Genossin“ zum Zehnjährigen ein Gedicht widmete. „Zehn Jahre ist es jetzt schon her, vermissen möchten wir Dich nicht mehr!“
Um konkurrenzfähig zu sein, nutzt Gerda Schweitzer für den Wareneinkauf Sonderangebote. Ein Vollsortiment kann sie schon aus Platzgründen nicht anbieten. Aber „der Laden wird akzeptiert“, kann Gerda Schweitzer stolz behaupten. Die Duchrother wiederum betonen, dass der Dorfladen eine Bereicherung für den Ort mit seinen rund 560 Einwohnern ist.

