Montag, 13. Februar 2012 04:34 Uhr
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Allgemeine Zeitung

Bad Münster 

Tour mit Nachtwächter

06.06.2009 - BAD MÜNSTER

Von Beate Vogt-Gladigau

ERLEBNIS Chnutz vom Hopfen führt durch sechs Landschaften

AM STEIN- EBERNBURG/TRAISEN. Die Region um die Kurstadt hat ein kostbares Alleinstellungsmerkmal, das ihr die Natur geschenkt hat: Auf kleine Räume begrenzt, in einmaliger Vielfalt ist es spannend, die einzelnen Grenzen zu überschreiten.

"Sechs Landschaften in vier Stunden" nannte daher Chnutz vom Hopfen (Knut Hoppe) seine Wanderung mit Gästen. Die Veranstaltung zählte zum Reigen, mit dem der Nachtwächter von Ebernburg sein zehnjähriges "Dienstjubiläum" feiert - und war gleichzeitig der Beweis, dass Nachtwächter auch bei Tage aktiv sind. Natürlich führte Hoppe im Dreispitz durch die unterschiedlichen Natur- und Kulturräume und über die unsichtbaren Grenzbäume. Nur die Pflanzen markierten Barrieren. In einmaliger Weise hat hier Mutter Natur den Tisch gedeckt, von mediterran bis kühl und feucht.

Hoppe hatte Geographie, Geschichte und Botanik studiert. Daher konnte er bei der Wanderung neben naturkundlichen Grenzen auch versiert auf geschichtliche oder kulturelle hinweisen. Bei den Pflanzengesellschaften gibt es jedoch keine Grenzstreitigkeiten, denn sie fühlen sich am jeweiligen Standort wohl und leben in friedlicher Ko-Existenz. Die Führung begann an der Nahe und der typischen Vegetation einer Flussaue. Durch den mediterran anmutenden Eichen-Kiefern-Trockenwald führte der Weg auf den Rotenfels mit seinem flachen Pflanzenbewuchs. Die Glockenblumen, die die Teilnehmer zuvor am Waldrand entdeckt hatten, wichen hier der verwandten Jasonie (Glockenköpfchen), die es sonnig und windig liebt. Auch Rötegewächse wie Waldmeister oder Labkraut, das früher wegen seines natürlichen Enzyms zur Käseherstellung genutzt wurde, begrüßten die Besucher, ebenso wie bunte Flechten.

Auf der Route zur "Nase" des Stegfelsens gelangten die Wanderer nach einem Trockenwald mit Eichen und Kiefern plötzlich in ein feuchtes Tal an der Nahe ohne Unterwuchs, aber mit Buchen. Zwei Schritte vorher war noch ein Esskastanien-Mischwald zu entdecken gewesen. Nicht weit davon entfernt sorgt die Sonne wie durch einen Hohlspiegel für ein trockenes und heißes Klima, bei dem nur eine Sauerampfer- und Felsenbirnengesellschaft existenzfähig sind.

In vier Stunden führte Chnutz vom Hopfen (li.) seine Gäste durch sechs unterschiedliche Landschaften und zeigte ihnen die herrliche Aussicht vom Rotenfels.Beate Vogt-Gladigau


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