Von der Nahe an den Niger
27.12.2011 - KREIS BAD KREUZNACH/ MALI
HILFSEINSATZ Judith Lenhard aus Bad Münster am Stein-Ebernburg engagiert sich im afrikanischen Mali
(red).Am allermeisten hat Judith Lenhard (29) die Lebensfreude der Menschen in Mali beeindruckt. „Viele kämpfen tagtäglich um die einfachsten Dinge im Leben, um etwas zu essen oder sauberes Wasser, aber sie sind trotzdem zufrieden und glücklich“, stellt die in Bad Münster am Stein-Ebernburg geborene und aufgewachsene junge Frau fest. Und dabei gab es so viel Außergewöhnliches und Faszinierendes, was ihr auf ihrer Reise in eines der zehn ärmsten Länder der Welt begegnete.
Viele Einwohner haben nicht mal einen Euro pro Tag
Dabei könnte man meinen, Judith Lenhard kann so leicht nichts überraschen, ist sie doch beruflich mittlerweile bei einem Reisebüro in Hamburg gelandet und hat mit vielen Ländern der Erde zu tun. Aber Mali in Westafrika ist für Mitteleuropäer kein gewöhnliches Land. Auf der einen Seite ist es als Wiege Afrikas reich an kulturellen Schätzen entlang des Niger, andererseits leben 50 Prozent der Malier von weniger als einem Euro pro Tag, 70 Prozent sind Analphabeten und die Hälfte der Kinder hat keinen Zugang zu einer Schule - weil es einfach keine gibt.
Judith Lenhard, die ihr Abitur am Gymnasium an der Stadtmauer gemacht hat, schloss sich 2010 dem Verein Sterntaler für Afrika an, der genau das ändern will. 2008 in München gegründet, hat er mittlerweile zwei Schulen in Mali fertiggestellt und hunderten Kindern eine Perspektive gegeben. Heute unterstützen ihn Mitglieder und Spender in ganz Deutschland, dank der 29-Jährigen auch in Hamburg. Aber sie würde sich freuen, wenn sich auch in ihrer alten Heimat viele Leute engagieren würden. „Bei Sterntaler für Afrika kommt jeder Euro dort an, wo er gebraucht wird, nämlich bei den Kindern in Mali. Ich habe gesehen, wie wichtig es ist, ihnen zu helfen, durch das Erlernen von Lesen und Schreiben haben sie eine richtige Chance im Leben, das ist toll.“
In ihren zwei Wochen in Afrika hielt sich Judith Lenhard hauptsächlich in Kalabancoro auf, einer Stadt, die mit 70 000 fast doppelt so viele Einwohner zählt wie Bad Kreuznach. Dort sitzen die malischen Partner von Sterntaler, die die Projekte im Land umsetzen. Doch Kalabancoro eine Stadt zu nennen wäre übertrieben. Es gibt weder Teerstraßen, noch schicke Häuser oder Supermärkte. „Die meisten Menschen leben in kleinen Lehmhütten mit Feuerstelle und ein paar Ziegen vor dem Haus. Und Lebensmittel bringt entweder irgendein Nachbar mit seinem Bauchladen oder sie werden spärlich selber angebaut“, so Lenhard. „Und das kann bei Temperaturen bis zu 35 Grad auch im Winter und nur drei Monaten Regenzeit im Jahr sehr mühsam sein.“
Sterntaler-Berufsschule das neue Aushängeschild
Die Zeit verbrachte die Reiseverkehrskauffrau hauptsächlich damit, an der Gesamtschule der Partner, die es seit 2004 gibt, den Deutschunterricht mitzugestalten, an der neuen Sterntaler-Berufsschule, dem neuen Aushängeschild der Stadt, mitzuhelfen, oder mit australischen Freiwilligen Freizeitaktivitäten für die Kinder zu organisieren. Mit vollem Erfolg. „Ich habe selten so viele begeisterte Kinder auf einem Haufen gesehen!“

