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Hackenheim 

Kreisel sorgt für Unmut

28.07.2010 - HACKENHEIM

Von Laura Selzer

HOHE KOSTEN Anlieger von „Am Kirchenland 2” sollen für die Anbindung zahlen

Endlich ist der Kreisel zur Anbindung des Neubaugebietes an die L412 in Hackenheim fertig - doch trotzdem sind viele Anwohner unzufrieden. Die Anlieger aus dem Wohngebiet „Am Kirchenland 2“ beschweren sich darüber, dass sie einen Teil der Kosten für den Bau des Kreisels zwischen der Kreuznacher Straße und dem Neubaugebiet tragen sollen.

Besonders ungerecht fänden sie es, dass die Bewohner von „Am Kirchenland 1“, dem benachbarten älteren Baugebiet, nichts zahlen müssten, obwohl sie den gleichen Nutzen hätten, beschwert sich eine Betroffene.

„Dies ist zwar ungerecht, aber nicht mehr zu ändern gewesen“, rechtfertigt sich Reiner Stumpf von der Bauabteilung der Verbandsgemeinde Bad Kreuznach, da die Erschließung von „Am Kirchenland 1“ schon abgeschlossen sei. Daher könne man keine weiteren Erschließungskosten mehr von den dortigen Anliegern fordern.

„Die Gesamtkosten des Kreisels belaufen sich auf 250 000 Euro, dieser Betrag ist auch so geschätzt worden“, erklärt Reiner Stumpf. 100 000 Euro davon zahle der Landesbetrieb Mobilität (LBM).

Ursprünglich sei eine keilförmige Einmündung zur Anbindung geplant gewesen, sagt Thomas Wagner, stellvertretender Leiter beim LBM. Diese wäre zwar unkomplizierter im Bau gewesen, jedoch nicht dem Verkehrsaufkommen angepasst. „Die L 412 hat ein sehr starkes Verkehrsaufkommen von circa 10 000 Fahrzeugen am Tag, außerdem herrschen dort hohe Fahrgeschwindigkeiten durch das Gefälle und die gerade Streckenführung. Außerdem befindet sich direkt vor dem Ortseingang Hackenheim eine Kuppe“, bemerkt Thomas Wagner. Diese Faktoren hätten zu der Entscheidung für den Kreisel und gegen die Trichtereinmündung geführt. Der Kreisel bewirke eine Verkehrsberuhigung und sei somit wesentlich sicherer als die Einmündung, erklärt Wagner. Somit sei dies die einzige Möglicheit gewesen, um das Baugebiet anzuschließen.

Die restlichen Kosten für den Bau verteilten sich zu 90 Prozent auf die Anlieger und zu 10 Prozent auf die Gemeinde. „Auf die Anwohner kommen also insgesamt Kosten von rund 135 000 Euro zu. Das heißt, jeder Anwohner muss noch mindestens circa vier Euro pro Quadratmeter des Grundstückes draufzahlen“, erläutert Reiner Stumpf.

Angesichts der Tatsache, dass einige Hackenheimer mehrere Bauplätze in diesem Gebiet besitzen, sei dies ein stolzer Betrag, schimpfen einige Anwohner. Außerdem müssten die Besitzer von Grundstücken, auf denen zweistöckig gebaut werden darf, noch mehr zahlen.

„Anfangs hieß es von der Ortsgemeinde, die Kosten für den neuen Kreisel seien mit den Erschließungskosten von 35 Euro pro Quadratmeter abgegolten. Doch jetzt müssen wir nachzahlen“, wettert eine empörte Anwohnerin, die nicht namentlich genannt werden möchte. Deswegen wollen alle 22 Parteien aus „Am Kirchenland 2“ sich weigern, den Zahlungen nachzukommen. Sie planen, eine Sammelklage einzureichen.

Ärgerlich finden einige Anwohner auch, dass die Ampelanlage nicht direkt weggeräumt wurde, obwohl der Kreisel fertiggestellt war. Reiner Stumpf erklärt, dass die Eröffnung des Kreisels nur noch von der fehlenden Beschilderung abhing.

RÜCKBLICK

Schon in der Vergangenheit war der Kreisel ein heiß diskutiertes Thema, da sich der Gemeinderat anfangs von den Plänen des Landesbetriebes für Straßen und Verkehr (LSV-heute LBM) übergangen fühlte.

Die Ratsmitglieder waren der Ansicht, der LSV wolle den anwachsenden Verkehr auf seiner Landestraße durch den Kreisel beruhigen und sie sollten die Kosten dafür tragen. Damals betonte der Rat, sie wollten sich nicht vom LSV unter Druck setzen lassen, obwohl ihnen die Weiterführung des Neubaugebietes sehr wichtig sei. Das war im April 2006.

Im April 2008 stimmte der Rat der Bebauungsplanänderung jedoch einstimmig bei drei Enthaltungen zu.

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29.07.2010 Dieser Kommentator ist bei uns nicht registriert.

Kreiselmanie

Es gehört nicht viel Vorstellungskraft dazu, um vorherzusagen, daß der Hackenheimer Kreisel nicht zum letzten Mal die Gemüter erregen wird. Verständlich der Ärger der Anwohner, die für dieses überflüssige, falsch placierte und konzipierte Bauwerk auch noch zur Kasse gebeten werden. Aber die ersten Unfälle und Verkehrsstaus im Winter sind absehbar. Wie kann man einen Kreisel in eine Steigungsstrecke bauen, bei denen viele froh sind, im Winter überhaupt oben anzukommen? Was soll der Knick Richtung Hackenheim, der das Wegrutschen eines Fahrzeugs begünstigt? Warum ein teurer Kreisel, wenn nur eine weitere Straße angebunden wird? Da hat sich irgendein Planer mal wieder so richtig ausgetobt und das Geld anderer Leute ausgegeben.

Die Verkehrsbelastung der Straße wird damit auch nicht geringer. Da wäre die große Lösung (großzügiger Kreisel auf der Kuppe unter Anbindung der Panzerstraße und langfristig eine Umgehung von Hackenheim Richtung Bosenheim mit Anbindung des Baugebietes sinnvoller gewesen. Denn der Verkehr aus dem Südteil von Bad Kreuznach wird nach weiterer Erschließung von Baugebieten nicht weniger, da es die Stadt klug geschafft hat, die eigenen Straßen so unattraktiv (z.B. Chaos in und um die Bosenheimer Straße)zu machen, daß der Weg über Hackenheim der angenehmste und schnellste aus der Stadt ist. Baugebiete zu erschließen ist eins, sie auch vernünftig und ohne Hindernisse ans Verkehrsnetz anzubinden das andere.

Hans Joachim Roos, Volxheim

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