Fröhliches Konzert in fröhlichem Hof
23.07.2010 - FREI-LAUBERSHEIM
Von Heidi Sturm
MUSIK PeeWee Bluesgang glänzend aufgelegt
„In einem fröhlichen Hof kann es nur ein fröhliches Konzert geben“ rief Frontmann Richard Hagel dem glänzend aufgelegten Publikum zu und traf damit den Nagel auf dem Kopf: Auch beim dritten Blues im Hof-Konzert im urigen Anwesen von Karlheinz Fröhlich herrschte wieder prächtige Stimmung: Die „PeeWee Bluesgang“ um Richard Hagel zog die mehr als 200 Gäste vom ersten Augenblick an in ihren Bann.
Schon vor vier Jahren hatten die Urgesteine der deutschen Bluesszene im Hofgut Fröhlich gastiert, jetzt präsentierten sie sich nach anderthalbjähriger Kreativpause lauter, schneller und lebendiger als je zuvor. Auf die Bühne brachten die sechs Musiker ausschließlich eigene Songs von ihrer Comeback-CD „Back on the Road again”, für die sie neues komponiert, aber auch alte, fast vergessene „Schätzchen“ ausgegraben hatten. „Wir spielen keine Musik von den Baumwollfeldern mit Wandergitarre und Mundharmonika, sondern Blues im poppigen und rockigen Gewand“, beschrieb Gitarrist Thomas Hesse die mitreißenden Songs.
Zur besonderen Stimmung trugen auch der schon fast freundschaftliche Kontakt zum Publikum und die unterhaltsamen Plaudereien bei: Etwa Hagels Geschichte, wie er als „Privatier“ vom Erzengel Gabriel und dem Sensenmann träumte und dann beschloss, noch viel Sinnvolles zu tun und wieder Musik zu machen. Die wahre Geschichte des Comebacks ist zwar nicht so dramatisch, aber genauso unglaublich. „Wir waren einfach tourneemüde“, beschrieb Hesse den Grund der Trennung nach 32 gemeinsamen Jahren. Nachdem er Hagel neun Monate lang nicht gesehen hatte, obwohl die beiden nur 400 Meter Luftlinie auseinander wohnen, griff er eines Tages zum Telefon und fragte den einstigen Kollegen, was dieser so tue. Der hatte gerade einen Kessel Weißwäsche gemacht und war jetzt mit der bunten beschäftigt. „Einen Kessel Buntes mache ich auch grade“, antwortete da Hesse und fragte spontan: „Wollen wir nicht wieder Musik machen, die Wäsche geht mir auf den Wecker?“ Schnell war man sich einig, holte auch wieder Saxofonist Carlos Boes und Schlagzeuger Martin Siehoff ins Boot, außerdem als Neue Bassist Andreas Müller sowie Keyboarder Nico Kozuschek, der mit seinen 29 Jahren als echter Jungbrunnen wirkt. Seit 1. Mai ist die Bluesgang wieder im Geschäft. Der Ruf aus dem beschaulichen Rheinhessen, wo man vor 20 Jahren schon in Wörrstadt, Alzey oder Wöllstein gastierte, kam da genau richtig: Von der ganz besonderen Atmosphäre bei „Kalle“ sind die Musiker nämlich sehr angetan. „So etwas gibt es in ganz Deutschland nicht noch einmal“, schwärmt Hesse von dem „wunderbaren Innenhof“ und der Musikscheune, die etwas ganz anderes sei als etwa ein großer, unpersönlicher Konzertsaal.

