Die Giganten des Blues
14.07.2011 - FREI-LAUBERSHEIM
Von Heidi Sturm
KONZERT Louisiana Red und Alexander von Wangenheim heizen im Hofgut Fröhlich ein
Der alte Bauernhof mit seiner urigen Musikscheune war beim zweiten Konzert des „Blues-im-Hof“-Events proppenvoll: Schon bei Öffnung der mächtigen Hoftore strömten die Gäste in Scharen hinein, und kurz nach 20 Uhr waren es bereits an die 500 Musikfreunde, die trotz starker Konkurrenz in der näheren Umgebung ins Anwesen von Karlheinz Fröhlich, das „Blues-Mekka von Rheinhessen“ gepilgert waren. Schließlich warteten mit Louisiana Red, „The Giant of Blues“ und Boogiebaron Alexander von Wangenheim im Vorprogramm zwei echte Größen auf die Gäste.
Publikum strömt aus allen Himmelsrichtungen
Das Publikum war international gemischt: Nicht nur aus allen Himmelsrichtungen der Bundesrepublik waren die Bluesfreunde herbei geströmt: Auch aus Paris und sogar North-Carolina konnten Fans von Louisiana Red begrüßt werden. Die amerikanische Musikfreundin war gar eine Cousine von „Time in a Bottle“-Songwriter und Sänger Jim Croce.
Für die prächtige Einstimmung sorgte „AvW“ mit seinen berühmten „drei B“ aus Boogie, Blues und Balladen: Der Klavier-Virtuose bezauberte mit rauchiger Stimme und versonnenem Blick, ließ unglaublich lässig die Finger über die Tasten fliegen und schien die Melodien elegant aus dem Handgelenk zu schütteln. Mit Balladen aus Pop, Jazz und Soul oder Gänsehaut-Lovesongs verteilte er akustische Streicheleinheiten, animierte mit Charme auch zum Mitsingen: So war die Scheune bei Elton John’s „Crocodile Rock“ erfüllt vom eingängigen „laaa, lala lala laaa“.
Das ganze Leben vom Blues begleitet
Nach der stürmisch geforderten Zugabe gab es noch einmal begeisterten Applaus, der dann frenetisch aufbrandete, als sich „Louisiana Red“, eine der letzten noch lebenden Blues-Legenden dieses Erdteils, den Weg durch die voll besetzten Reihen zur Bühne bahnte. Dann war es mucksmäuschenstill, als der Mann seine akustische Gitarre nahm - und es dauerte keine Minute, da hatte er das Publikum in seinen Bann gezogen: Fast ehrfürchtig lauschte man dem Mann, der den Blues nicht einfach spielt: Er lebt ihn mit seiner Gitarre und seiner Stimme, durch seinen Stil und seinen Ausdruck: Schließlich kann Iverson Minters, wie er mit richtigem Namen heißt, nicht nur auf ein ganzes Leben für den Blues, sondern auch mit viel Blues zurück blicken: Die Mutter des im Süden der USA geborenen Afroamerikaners starb eine Woche nach seiner Geburt, der Vater wurde vom Ku-Klux-Klan ermordet, als Louisiana gerade neun Jahr alt war, seine Frau starb jung an Krebs.
Der Blues scheint für den heute 79-jährigen aber ein wahrer Jungbrunnen zu sein: Er sprühte vor Spielfreude und Energie und brachte in der kleinen Scheune ein Feuer und Feeling auf die Bühne, als ob er vor Tausenden von Menschen bei einem Festival gespielt hätte.
Wenn der Meister der akustischen Gitarre sein Instrument streichelte, lächelte er glücklich in sich hinein oder mit leisem „Haha“ auch ins Publikum. Beeindruckend, wie wundervoll und mit welcher Intensität er seine Stimme einsetzte. Dass er auch mit einem guten Humor gesegnet ist, bewies er bei seinen Ansagen: Etwa von seinem Mädchen Mary aus Pittsburgh, das dann irgendwann seinen besten Freund heiratete. Louisana machte dann kurzerhand einen Song daraus.
Die Gäste waren vom Altmeister fasziniert, gingen begeistert mit und huldigten mit tobendem Applaus dem Künstler, der schon zu Lebzeiten zur Legende geworden ist.

