Von Andreas Hand
EINTRACHT Loncar vom Verlauf der Wahl enttäuscht / Kinder wählen nur bei SGE
Als „modern“ und „absolut üblich bei allen größeren Vereinen der Stadt“ wurde die neue Satzung der SG Eintracht Bad Kreuznach vom Vorstand um Bert Haag angepriesen. Nach dieser können seit Dienstag auch Kinder unter 16 Jahren mitwählen, wenn der gesetzliche Vertreter einwilligt. Eine Nachfrage beim Amtsgericht brachte jedoch ein anderes Ergebnis.
Der VfL Bad Kreuznach als größter Verein der Stadt hat das Wahlalter durch eine Satzungsänderung am 18. November 2008 auf 16 Jahre herunter gesetzt. Gleiches gilt für den Kreuznacher HC, der dies am 20. März geändert hat. Beim MTV Bad Kreuznach haben Jugendliche zur Zeit noch kein Stimmrecht, dies wurde aber für solche ab 16 Jahren in einer Satzungsänderung vom 18. Juni beantragt.
Auch bei den Fußball-Vereinen, die in der gleichen Liga wie Eintracht Kreuznach spielen, dürfen Kinder nicht an Wahlen teilnehmen. Beim TSV Langenlonsheim/Laubenheim steht ein Mindestalter von 16 Jahren in der Satzung von 1983, die der SG Guldental (1976) gesteht auch 15-Jährigen ein Wahlrecht zu. Bei der SG Hüffelsheim haben Jugendliche dagegen gar kein Stimmrecht.
Ob sich die SG Eintracht mit der Satzungsänderung in diesem Punkt einen Gefallen getan hat, darf bezweifelt werden. Kaum vorstellbar, wenn das derzeit dem Förderverein gehörende Klubheim einmal in den Besitz der SGE zurückgeht und Kinder mit abstimmen, was mit dieser Immobilie passieren soll.
Völlig enttäuscht vom Verlauf des Abends war auch der frühere Präsident Gojko Loncar, der den Saal nach Haags Wiederwahl umgehend wütend verlassen hatte. „So darf eine Mitgliederversammlung nicht ablaufen, da gab es überhaupt keine Ordnung. Man darf ja Leute mobilisieren, aber bitte keine Kinder. Das war Manipulation hoch drei und hat mich an die Wahlen vor 40 Jahren im kommunistischen Kroatien erinnert“, sagte er. Haag selbst hatte den Abend als „gelebte Demokratie“ bezeichnet. „Dieter Schulz wird sein finanzielles Engagement für die Jugend einstellen und ich auch“, kündigte Loncar als Konsequenz an.
Weiterhin gab er zu, dass er und seine Aufsichtsratskollegen Bert Haag als letzte Amtshandlung noch abwählen wollten. „Wir hätten es vor der Versammlung machen sollen“, bedauert er den Verlauf des Abends. Gründe für die Unzufriedenheit mit der Arbeit Haags nannte er auch: „Er hat nicht die versprochenen Sponsoren beschafft, außerdem gab es Unregelmäßigkeiten - wenn es auch nur um relativ kleine Beträge ging.“
Auch der Ex-Oberbürgermeister Rolf Ebbeke, der als Versammlungsleiter fungiert hatte, meldete sich zu Wort: „Ich habe die Satzung erst wenige Stunden vor der Versammlung in die Hand bekommen. Wir hatten Herrn Haag schriftlich mitgeteilt, was er zu ändern hat, er hatte da aber noch andere Änderungen reingenommen. Außerdem hatte er gesagt, er würde nicht kandidieren.“

