Von Heidi Sturm
TIERHEIM Tag der offenen Tür brachte vielen Tieren neue Herrchen / Vorsicht bei „Nestflüchtern“
Auch WM-Fußball und zahlreiche Feste in der Nachbarschaft konnten die Resonanz beim Wochenende der offenen Tür im Tierheim auf dem Kuhberg nicht trüben: An beiden Tagen waren wieder zahlreiche Besucher über die gepflegte Anlage flaniert, hatten sich informiert, die süßen und deftigen Leckereien genossen oder Freundschaft mit einem der Vierbeiner geschlossen. Einige der Tiere werden wohl in den nächsten Tagen nach der üblichen Vorkontrolle in ein neues Zuhause umziehen dürfen. Etliche Gäste waren bereits stolze Besitzer eines Vierbeiners aus dem Tierheim und berichteten jetzt glücklich, wie prächtig sich der Hausgenosse im familiären Umfeld entwickelt hat.
Großen Anklang fanden natürlich auch wieder die reich bestückte Tombola mit über 1 000 Preisen sowie der beliebte „Bücher- und Krempel-Flohmarkt“, der bei den Katzenboxen seine Türen zu allerlei Schnäppchen geöffnet hatte. Für die Kinder war eine Mohrenkopfschleuder aufgestellt. Interessante Vorführungen präsentierten eine Hundeschule und der Verein der Hundefreunde.
Die herrliche Sommerzeit hat aber gerade im Tierheim auch ihre dunklen Schattenseiten: „Die Urlaubszeit macht sich bereits deutlich bemerkbar“, sagte Heimleiterin Doris Prinz: Ein Hund wurde am Schwimmbad angebunden, etliche Katzen, Meerschweinchen und Hasen ausgesetzt - offensichtlich, weil sich die Besitzer nicht rechtzeitig um eine Ferienunterkunft gekümmert hatten. Auch die „Babyzeit“ sorgt derzeit auf dem Kuhberg für volle Boxen und hohen Pflegeaufwand: Fast zwanzig mutterlose Kätzchen wurden abgegeben und müssen nun mit viel Aufwand aufgepäppelt werden. Fast alle Kätzchen sind krank, haben Schnupfen und vereiterte Augen, so dass sie vor der Abgabe erst einmal gesund gepflegt werden müssen. „Derzeit ist wieder die Zeit vom Sommerschnupfen“, seufzt Tierpflegerin Manuela Herlitzius. Dazu gesellen sich in den meisten Fällen auch noch Parasiten, die natürlich ebenfalls bekämpft werden müssen. Manchmal hat dies aber einen positiven Nebeneffekt: vier gerade fünf Wochen alte verwilderte Kätzchen mit Magen-Darmproblemen haben sich durch die intensive menschlichen Behandlung von „spuckenden Monstern“ in handzahme Tierchen verwandelt, auf die bereits neue Besitzer warten. Ein anderer Wurf kann allerdings bis heute nur mit Handtüchern angepackt werden.
Viel Mühe bereiten auch Jungvögel wie etwa Buchfinken, Meisen, Krähen oder Mehlschwalben, die hier in den vergangenen Wochen abgegeben wurden, weil tierliebe Menschen befürchtet hatten, dass diese aus dem Nest gefallen seien. „Das ist zwar gut gemeint, aber völlig überflüssig und sogar denkbar schlecht für die jungen Vögel“, betonte Dr. Frank Höhner, Vorsitzender des Tierschutzvereins. Die Tiere seien nämlich meist nicht aus dem Nest gefallen, sondern einfach Nestflüchter, die vom Boden aus das Fliegen erlernen. Dies sei eine völlig natürliche Sache. „Die Eltern versorgen ihre Jungen weiter“, unterstrich der Tierarzt und ergänzte, dass Elterntiere traurig und ganz aufgeregt zetern, wenn man ihre Jungen „entführe“. Menschen sollen daher nur eingreifen, wenn akute Gefahr droht, etwa wenn der Piepmatz auf der Straße herumhüpft. Dann kann man das Tier vorsichtig auf einen Grünstreifen daneben setzen. „Die Eltern finden sie und füttern sie weiter“, beruhigte Höhner. Es sei nämlich eine Mär, dass Vögel ihre Jungen verstoßen, wenn sie von Menschen berührt worden seien: „Der Mutterinstinkt ist viel größer als ein möglicher fremder Geruch.“

