Von Wilhelm Stiehl
VDP-VERSTEIGERUNG 1945er Edelbeerenauslese vom Goldloch erzielt als Unikat 3000 Euro
Ein neuer Preisrekord: 3000 Euro für eine einzige Flasche Nahewein. Zwölf Jahre ruhte sie im Keller des Schlossgutes Diel, bevor sie jetzt bei der VDP-Versteigerung in der Römerhalle einen neuen Besitzer fand: Die Edelbeerenauslese, die 1945 im Schloss Layener Goldloch gereift war. Sie war 1997 für 4600 Mark von einem Privatmann in Wiesbaden ersteigert, auf seinen Wunsch aber im Diel-Keller aufbewahrt worden. Die Witwe des verstorbenen Besitzers ließ nun das Juwel, das schon vor sechs Jahrzehnten als Jahrhundertwein gerühmt worden war, erneut versteigern.
Rekordverdächtig ist auch der Preis für ein Unikat aus der Schlossböckelheimer Kupfergrube. Der Riesling des Jahrgangs 1965, der bei schlechter Qualität so riesige Mengen lieferte, dass die Keller sie nicht mehr fassen konnten und Most in Schwimmbädern gelagert wurde, war für 150 Euro angeboten worden. Diese Rarität wechselte für 660 Euro den Besitzer, während Dönnhoffs fulminanter Eiswein "Januar" (2008) aus der Einzellage Brücke, sich mit 340 Euro bescheiden musste.
Mit elf Euro hatte Dr. Martin Tesch sein Großes Gewächs aus dem Langenlonsheimer Rothenberg fast so niedrig kalkuliert wie den Vorgänger aus 2007 und durfte sich über eine Steigerung um zehn auf 21 Euro freuen. Ähnlich groß war der Sprung eines Kabinetts von Prinz Salm (Wallhäuser Felseneck) von 11,50 auf 21 Euro. Emrich-Schönlebers Monzinger Riesling "A. de. L." , einer Parzelle des Halenbergs, steigerte sich in der Doppelflasche von 35 auf 110 Euro. Eine Einzelflasche aus seinem Monzinger Halenberg aus dem Jahr 1975 sprang von 25 auf 200 Euro.
Eine Auslese von Kruger- Rumpf aus dem Münsterer Pittersberg kletterte von 12 auf 56 Euro. Um das Fünffache legte Armin Diels mit Gold gekapselte Auslese vom Dorsheimer Pittermännchen zu: 100 Euro. Fast so erfolgreich war Tim Fröhlich mit seinem Bockenauer Felsenberg - 90 statt 20 Euro für die halbe Flasche Auslese. Die gleiche Flaschengröße präsentierte die Niederhäuser Domäne mit einer 2007er Trockenbeerenauslese der Hermannshöhle (160 statt 45 Euro). Eine halbe Flasche Eiswein vom Traiser Rotenfels honorierte das kauffreudige Publikum dem Weingut Dr. Crusius mit 75 Euro, fast dem Vierfachen des Ausrufpreises.
Auch die Winzer der Ahr brauchten nicht zu klagen. Keiner ihrer Spätburgunder ging zum Taxpreis weg. Meyer-Näkels "SR" erzielte dabei mit 114 Euro den höchsten Zuschlag.
Das rheinhessische Weingut Keller stellte eine Trockenbeerenauslese "Abtserde" in der halben Flasche für 30 Euro vor, die schließlich 410 Euro brachte, und ein Unikat vom Pfälzer Weingut Bassermann Jordan, eine Auslese vom Forster Jesuitengarten, wechselte für 560 (statt 150) Euro den Besitzer.
Versteigerer Hans-Jürgen Podzun erinnerte daran, dass im Jahr ihrer Ernte (1950) in Bad Kreuznach der erste deutsche Weinbaukongress nach dem Krieg organisiert worden ist.
Mit dem Gesamtergebnis von 269 273,75 Euro für 2453 Flaschen durften nicht nur die Erzeuger zufrieden sein, sondern auch der VDP-Vorsitzende Armin Diel. Für ihn ist das Interesse in der voll besetzten Römerhalle ein weiterer Beweis dafür, dass der deutsche Riesling seine Erfolge national und international fortsetzt. Er erinnerte daran, dass vor hundert Jahren deutsche Weine gleiche und höhere Preise erzielten wie Champagner und Bordeaux, kurz die teuersten Weine Europas und damit der Welt waren. Diese Tradition hoher Qualität signalisiere heute der Traubenadler der Prädikatsweingüter.

