Noch sind einige Stühle frei
09.09.2010 - BAD KREUZNACH
Von Isabel Mittler
MEHRGENERATIONENHAUS Jugend nimmt gerne Tipps von Senioren an / Caritasverbandschef Ketzer zu Gast
Schon mehr als zwei Jahre ist es her, als die damalige Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen das Mehrgenerationenhaus (MGH) in Bad Kreuznach eröffnete. Mittlerweile wurde im Haus im Zentrum St. Hildegard unter der Trägerschaft des Caritasverbandes ein offener Treff, das Café Kleeblatt, eröffnet und in der Zwischenzeit wurden auch die Angebote mit den unterschiedlichsten Kooperationspartnern, angefangen von der DJK Adler über das Rote Kreuz bis hin zur Telefonseelsorge, ausgebaut. Gestern hatte man zum „Tag der offenen Tür“ mit vielen Aktionen eingeladen und Werner Ketzer, seit April Vorsitzender des Caritasverbandes für die Region Rhein-Hunsrück-Nahe, drückte bei seinem ersten Besuch im Kreuznacher MGH den Wunsch aus, dass noch viele Menschen den Weg in diese Begegnungsstätte der Generationen finden werden.
„Experten fürs Leben“
„Wir haben noch ausreichend Stühle, je mehr kommen, um so vielfältiger kann der Austausch sein.“ Sein Eindruck ist, dass viele gerne Kontakt knüpfen würden, gerne eine Leihoma sein würden, aber auf eine persönliche Ansprache warten würden, statt selbst die Initiative zu ergreifen. Ketzer unterstrich, dass die Angebote von Caritas-Familienbildungsstätte und MGH sehr gut zur Jahreskampagne der Caritas, „Experten fürs Leben“ passe. Ein griechisches Sprichwort sage, „wenn du keinen alten Menschen zu Hause hast, so leih dir einen“. Dahinter stecke die Erkenntnis, dass Alt und Jung einander brauchten. „Ohne regelmäßigen Kontakt mit Menschen anderen Alters wäre das Leben ärmer“, so der Vorsitzende. Beide Seiten profitierten davon, die Älteren ließen sich zum Beispiel gerne von der Unbekümmertheit der Jugend anstecken.
Gegenseitige Hilfe
Bestätigen konnten dies Büsra Tüysüz (14) und Vanessa Raab (15). Beide besuchen die Realschule plus in Langenlonsheim, die am Projekt des Netzwerkes Familienbildung „ Kompetenz in Aktion - Kompakt“ teilnimmt. „Wir wollen zeigen, dass wir auch an älteren Menschen interessiert sind“, sagten die beiden Schülerinnen. Gut finden sie, sich gegenseitig helfen zu können und gerne nähmen sie auch Tipps an. „Die Älteren zeigen uns den richtigen Weg.“ Die Langenlonsheimer Schule ist eine von derzeit fünf, die sich an diesem präventiven Projekt der Kinder- und Jugendhilfe beteiligen, das das Ziel verfolgt, Schulkinder zu fördern und zu stärken, sie und auch ihre Familien bei der Bildung unterstützt. Realisiert wurden bereits Kunstprojekte zum Thema Afrika, die Achtklässler gaben auch einen Einblick davon, was sie im Trommelworkshop mit Cäcilia Adrian gelernt haben. Sozialpädagogin Ulrike Nickel-Benz erläuterte, dass auch Themen wie Gesundheit oder Trauerarbeit in die Schulen getragen werden. Und die pädagogische Leiterin der Familienbildungsstätte geht davon aus, dass weitere Schulen teilnehmen werden. Das Netzwerk besteht seit eineinhalb Jahren und wird weiter aufgebaut. Zu den Kooperationspartnern zählen neben den Jugendämtern auch der Kinderschutzbund, der Arbeitskreis Kinderbetreuung und -bildung des Familienbündnisses Kreuznach oder die Erziehungsberatungsstelle.
Neben dem bunten Mitmachprogramm wurden gestern auch Informationen von Kooperationspartnern des MGH an die Besucher weitergegeben. Der Dank von MGH-Koordinatorin Nadine Schmidt galt allen, die sich wie gewohnt ehrenamtlich engagierten.

