Seelen an Seidenfäden
04.09.2010 - BAD KREUZNACH
Von Heidi Sturm
PUK Sonderausstellung zu Ehren von Fritz Herbert Bross eröffnet
Das „PuK-Team“ hat wieder ganze Arbeit geleistet und mit jeder Menge Kreativität und Liebe zum Detail eine höchst bemerkenswerte Sonderausstellung zusammen gestellt, die sich schon von den ersten Bewunderern viel Lob verdiente.
100 Puppen - Hexen und Teufel, Kaiser und Prinzessinnen, Fuchs und Kater, kleine Lausbuben oder eine verschmitze Oma - gratulieren in der großen Ausstellungshalle des Museums für Puppentheater-Kultur ihrem Meister Fritz Herbert Bross zum 100. Geburtstag und geben einen Eindruck in dessen facettenreiches Schaffen, das sich aber stets durch eine eigene, einprägsame Handschrift auszeichnete.
Deutsches Marionettenspiel grundlegend beeinflusst
Genau am Ehrentag des Künstlers, Visionärs und Technikers, der seit den 50er Jahren das deutsche Marionettenspiel grundlegend beeinflusste und modernisierte, aus hölzernen Puppen an ihren seidenen Fäden lebendige und sensible Darsteller machte, wurde jetzt „Bross 100“ mit einem kleinen Programm feierlich eröffnet. Im Beisein zahlreicher Gäste und Ehrengäste, unter anderem einem Sohn des Künstlers sowie Professor Dr. Jürgen Hardeck vom Ministerium für Kultur und Bildung, würdigte Kulturdezernentin Andrea Manz den Figurengestalter und studierten Ingenieur mit den Worten Heinrich von Kleists als Maschinisten, der den Weg der Seele des Tänzers begreift, sich in den Schwerpunkt der Marionette versetzt - und tanzt. Manz war erfreut, dass man den PuK-Besuchern wieder ein neues anderes Erlebnis bieten konnte: Mit verblüffend wenigen Handgriffen und vereinten Kräften - auch in halsbrecherischen Aktionen - sei es gelungen, für Bross 100 ganz anders als in früheren Jahren Raum im großen Raum zu schaffen.
Sie erinnerte an die ganz besondre Atmosphäre, die beim Aufbau geherrscht habe. Die gestandenen Puppentheaterexperten Jürgen Maaßen und Stefan Beyrer gingen mit Herz, Hand und Verstand ans Werk, begrüßten jede einzelne Figur und präsentierten sie genau so, wie es sich die Puppen gewünscht haben könnten. Bei manchen fielen Späne, andere verloren ihr Kleid.
Ein Lob gab es auch für die Museums-Haustechniker Walter Juchem und Horst Müller, die außerordentliche Schaumöbel konstruierten.
Diplomingenieur und bildender Künstler
Museumsleiter Markus Dorner ließ in seinen interessanten Ausführungen noch einmal die Stationen des künstlerischen Schaffens und pädagogischen Wirkens von Fritz Herbert Bross Revue passieren. Der junge Bross hatte zunächst seine Berufsausbildung als Ingenieur mit Diplom abgeschlossen, zugleich aber seine künstlerischen Interessen in Studien, zu Kunstgeschichte, Malerei und Fotografie gefestigt.
Diese zweigleisige Interessenslage - die technisch-physikalischen Fragen sowie das Künstlerisch-Gestalterische - kamen ihm dann in seinem zweiten Berufsleben zu Gute, als er nach dem zweiten Weltkrieg seine erfolgreiche Laufbahn als freischaffender Figurenbildner und Marionettenkonstrukteur begann.
Bei der Ausstellung darf natürlich auch Bross-Schüler Prof. Albrecht Roser nicht fehlen: So ist hier der bekannte Leierkastenmann ebenso präsentiert wie die Hexe, die einst Roser regelrecht „verhext“ und mit dem Marionettenzauber infiziert hatte.

