Schwimmende Lichter mahnen
07.08.2010 - BAD KREUZNACH
Von Heidi Sturm
HIROSHIMA-AKTION Friedensforum fordert zum Jahrestag des Bombenabwurfs atomare Abrüstung
Auch 65 Jahre nach den Atombomben-Abwürfen Hiroshima und Nagasaki besteht noch kein Grund zur nuklearen Entwarnung: Denn obwohl die Atommächte laut Nichtverbreitungsvertrag von 1968 zur Beendigung des atomaren Wettrüstens verpflichtet sind, werden heute in mehr Ländern als je zuvor neue Atomwaffen entwickelt.
Darauf machte das Friedensforum Stromberg-Waldalgesheim bei einer Aktion am Mühlenteich aufmerksam und forderte zur „Nacht der 100 000 Kerzen“ zum Jahrestag der Atomwaffenabwürfe 1945 eine Welt ohne nukleare Waffen.
„Wir möchten, dass der Rüstungshaushalt gekürzt wird und dass man statt Bundeswehr-Einsätzen lieber zivile Hilfe leistet“, erläuterte Sprecher Hans-Jürgen Schnell, der mit seinen Mitstreitern auch Unterschriften für diese Anliegen sammelte.
Laut Schätzungen des Friedensforschungsinstituts Sipri beläuft sich die Anzahl einsetzbarer atomarer Gefechtsköpfe weltweit auf 8400 Stück, 2000 davon befinden sich in ständiger höchster Alarmbereitschaft und können in wenigen Minuten eingesetzt werden. Zählt man die „Ersatzsprengköpfe“ hinzu, die in Depots lagern oder zur Demontage vorgesehen sind, kann man von 23 300 Nuklearwaffen ausgehen.
Die Mitglieder des Friedens-Forums, die seit 1984 engagiert für ihre Anliegen kämpfen und auch schon zum 60. Jahrestag der Atombombenabwürfe eine Aktion an der Nahe gestartet hatten, hatten sich mit Freunden aus dem Netzwerk und von Amnesty International mit mahnenden und fordernden Plakaten auf der Alten Nahebrücke postiert und an den Brückenhäusern Kerzen in Form des Friedenszeichens entzündet. Diese leuchtenden Motive auf zwei Schwimminseln wurden auf den Mühlenteich gesetzt und mit Tretbooten langsam zur Elisabethenquelle gezogen. Dies ist in Japan und vielen Orten weltweit am Hiroshima-Tag ein Symbol für die unzähligen Menschen, die vor 65 Jahren im kühlenden Wasser des Meeres Rettung vor dem atomaren Feuer suchten.
Während der Fahrt sangen die Bootsinsassen Friedenslieder wie etwa den lyrischen Protestsong „We shall overcome“. Schade war nur, dass diese symbolträchtige Bootsfahrt fast keine Beachtung fand: Die wenigen Passanten auf der Mühlenteichpromenade konnten in den unbeleuchteten Booten kaum die Fahne der Friedensbewegung erkennen, so dass etliche die Aktion für eine romantische abendliche Bootstour hielten.

