Tafel für einen treuen Freund
15.06.2010 - BAD KREUZNACH
Von Fred Lex
SYNAGOGE Jüdische Gemeinde ehrt den verstorbenen Landrat Hans Schumm
Als am 13. Juni 2007 Hans Schumm, Landrat des Kreises Bad Kreuznach von 1967 bis 1990, im Alter von fast 80 Jahren starb, verlor die jüdische Gemeinde in Bad Kreuznach einen warmherzigen Förderer. Heute erinnert eine Gedenktafel an der Synagoge in der Alzeyer Straße an den „treuen Freund und unermüdlichen Helfer“, wie es in dem Text heißt. Gemeinsam mit Martha Schumm, der Witwe von Hans Schumm, enthüllte der Ehrenvorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde für Bad Kreuznach und Birkenfeld, Nikolaus Blättermann, die Bronzeplatte an der Außenfassade der im September 2002 eingeweihten Synagoge.
„Ein wunderbarer Mensch, eine Persönlichkeit, die für die Schwachen und Bedürftigen da war“, urteilte Blättermann in einer kurzen Ansprache über den sozialdemokratischen Politiker, der bis zu seinem Tode einen großen Beitrag zur Versöhnung mit dem jüdischen Volk und mit Israel leistete, indem er nicht nur die Partnerschaft mit der israelischen Stadt Kiryat Motzkin aufbaute, sondern auch seine Mitbürger auf organisierten Reisen mit der Mentalität des Staates Israel vertraut machte. Gemeindevorsitzender Masoud Y. Gilardy konnte zu der Gedenkzeremonie unter anderem den Landtagsabgeordneten Carsten Pörksen, den Kreisbeigeordneten Hans-Dirk Nies, die Bad Kreuznacher Kulturdezernentin Andrea Manz und deren Vorgängerin Helga Baumann begrüßen. Mit einem für den jüdischen Gottesdienst geprägten Segenslied begleitete der von Tatjana Feigelmann geleitete Gemeindechor die Feier auf dem freien Platz vor dem Gotteshaus.
Es folgte im Raum der Synagoge ein Konzert der Musikgruppe „Besseder“ aus der jüdischen Kultusgemeinde Koblenz, die seit zehn Jahren mit ihrem musikalischen Programm regelmäßig Synagogen in Rheinland-Pfalz bereist und zum dritten Mal in Bad Kreuznach ihren Auftritt hatte. Unter dem Motto „Musik ohne Grenzen“ erntete das von Abram Abayev geleitete zehnköpfige Ensemble reichlich Beifall für ein paar fast vergessene Glanzstücke aus dem Schatzkästchen der Unterhaltungsmusik. Der noch heute populäre Swingsong „Bei mir bist du schön“ von 1937 gehörte dazu, ebenso Musikstücke von Operettenkomponisten wie Emil Waldteufel und Jacques Offenbach. In einem bunt gemischten musikalischen Allerlei, das auch deutschen, französischen, russischen und israelischen Kompositionen Rechnung trug, begegnete man vielen alten Bekannten, unter anderem dem einstmals populärsten und wahrscheinlich auch schönsten Tango aller Zeiten, La Cumparsita.

