Original-Thora kehrt nun heim
05.06.2010 - BAD KREUZNACH
Von Isabel Mittler
TRAUM WIRD WAHR Jüdische Kultusgemeinde möchte Rolle restaurieren lassen / Zur Zeit ist sie nicht koscher
Grund zur Freude gibt es für die jüdische Kultusgemeinde Bad Kreuznach: Nach 71 Jahren ist die Original-Thora der ehemaligen Synagoge in die Gemeinde und in die Nahestadt zurückgeholt worden. Für Valerjan Ryvlin, Zweiter Vorsitzender der Kultusgemeinde, und Vorstandsmitglied Sabina Viron war der 28. Mai 2010 ein wunderbarer Tag. Denn seither befindet sich die Thora im Schrank der Synagoge in der Alzeyer Straße. Schon seit Jahren hatte man versucht, das Original wieder zu bekommen. Bislang vergeblich. Nun war es aber Heinz Hesdörffer gelungen, die Schwiegertochter des ehemaligen jüdischen Rabbiners Dr. Alfred Jacobs dazu zu bewegen, die Thora, die jüdische Bibel in hebräischer Schrift, zurückzugeben.
Rabbiner Jacobs, der von 1927 bis 1938 in Bad Kreuznach amtierte, hatte die Rolle vor der Vernichtung gerettet, in dem er sie in die Emigration nach Amerika mitnahm. Er flüchtete 1939 vor den Nazis. Die Rolle wurde später durch einen seiner Söhne, Aryeh Leo Jacobs, ebenfalls Rabbiner, nach Israel gebracht. Dort bewahrte man sie bis jetzt in einer Synagoge auf.
Hesdörffer nimmt Kontakt auf
Bei seinem jüngsten Besuch in Israel im Mai nahm Heinz Hesdörffer Kontakt zur Witwe Aryeh Leo Jacobs auf, der 2002 starb. Hesdörffer hatte seine Kindheit in Bad Kreuznach verbracht und war Schüler von Rabbiner Dr. Jacobs. Gemeinsam mit Moshe Oppenheimer, Rechtsanwalt und Delegierter des Vereins Jüdischer Nationfonds (er setzt Spenden unter anderem für Baumpflanzaktionen ein), konnte er die Schwiegertochter von Dr. Jacobs überzeugen, dass die Thora „nach Hause“ kommen soll. Die Kreuznacher Gemeinde hatte sich in einem Brief an die Witwe gewandt, unterzeichnet auch vom Vorsitzenden Masoud Y. Gilardy und Vorstandsmitglied Alexander Fukelmann.
Mit ein Grund, warum der lang gehegte Wunsch in Erfüllung ging, kann die Tatsache sein, dass die Thora in Gottesdiensten nicht mehr verwendet werden konnte. Denn sie ist in Teilen leicht beschädigt, unter anderem fehlen Buchstaben oder es gibt kleine Löcher. Damit ist die Thora nicht mehr koscher. Allerdings, so betonen Ryvlin und Viron, „die Thora war in Israel gut aufgehoben“. Der ideelle Wert der Rolle ist für die jüdische Kultusgemeinde immens. „Die heutige jüdische Gemeinde dankt der Witwe für die Rückgabe und Herrn Hesdörffer für seinen Einsatz und seine Bemühungen von ganzem Herzen und freut sich über dieses wertvolle Erinnerungsstück“, betont der Vorstand. Hesdörffer hatte Auschwitz überlebt. Er emigrierte 1947 nach Südafrika, wo er mit seiner Frau lebte, bis das Ehepaar aufgrund der dort zunehmenden Kriminalität im Jahr 2002 nach New York zu ihrem einzigen Sohn auswanderte.
Mittlerweile lebte Heinz Hesdörffer wieder in Deutschland, in Frankfurt/Main war die Heimat.
Nächstes Ziel ist, die Thora zu restaurieren. „Das kostet viel Geld“, weiß Valerjan Ryvlin. Deshalb hofft die Gemeinde darauf, dass die Stadt vielleicht über das Stadtarchiv und die Bürger über Spenden helfen. Nach einer Restaurierung wäre die Rolle mit den fünf Büchern des Mose wieder koscher und somit in den Gottesdiensten einsetzbar.

