Kompetenz als Taucher-, Verkehrs- und Tropenarzt
27.05.2010 - BAD KREUZNACH
Von Robert Neuber
ANLAUFSTELLE Dr. Johannes Wantzen Ansprechpartner für im Ausland tätige Betriebe
Es gibt in der Stadt einen Allgemeinmediziner mit Taucherarztschein. Nun ist die Nahe nicht gerade als Taucherparadies bekannt, sodass die Zahl derjenigen überschaubar sein dürfte, die eine solche Spezialexpertise in Anspruch nehmen wollen. Doch Dr. Johannes Wantzen, der vor einem Jahr die Praxis des überraschend verstorbenen Dr. Ari Cronenberg übernahm, hat neben der Tauchmedizin noch weitere Spezialitäten sozusagen „im Portfolio“, die ihn wohl zu einem der facettenreichsten Allgemeinärzte der Stadt machen - und ganz sicher zu einem interessanten, weil weltgewandten Gesprächspartner. Er ist einer von 500 deutschen Tropenmedizinern, seine Praxis in der Salinenstraße ist staatlich ermächtigte Gelbfieberimpfstelle (die Impfung ist notwendig, um ein Einreisevisum für diverse afrikanische, südamerikanische oder asiatische Länder zu erhalten).
Vor allem aber führt Wantzen verkehrs- und arbeitsmedizinische Untersuchungen durch. Das macht ihn für regionale Unternehmen zur Anlaufstelle, weil er eine betriebsärztliche Betreuung bieten kann. Und natürlich ist er gerade bei den kleinen und mittleren Firmen gefragt, die im Ausland aktiv sind und ihre Mitarbeiter vor Ort entsenden müssen. Immer wieder überrascht es Wantzen, wie aktiv deutsche Unternehmen im Ausland sind - er habe bis vor Kurzem ja gar nicht geahnt, wie viele Rheinhessen derzeit in Entwicklungsländern agrarrelevante Fertigungsanlagen bauten.
Interessant ist seine Spezialisierung aber auch für Menschen, die beruflich im Kraftfahrbereich tätig sind. Denn sie benötigen eine verkehrsmedizinische Untersuchung gemäß „Fahrerlaubnisverordnung“, und die kann nur ein Arzt durchführen, der eine spezielle verkehrsmedizinische Qualifikation vorzuweisen hat. Bislang gab es ein solches Angebot im weiten Umkreis nicht. Wer einen Bagger, einen Lastwagen, ein Taxi oder einen Reisebus fahren wollte, musste weit fahren, um eine solche Untersuchung zu bekommen.
Der Binger, Jahrgang 1956, war über Jahre hinweg als Mediziner der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in allen Erdteilen unterwegs. Vier Jahre lebte er mit seiner Familie auf der Insel Madagaskar, am südlichen Zipfel Afrikas, er betreute Touristen in einer Praxis auf den Malediven, als Student zog es ihn schon nach Ghana. Müßig zu erwähnen, dass Wantzen auch als Student gerne über den Tellerrand blickte: Das Medizinstudium absolvierte er in Heidelberg, als er den Biologieabschluss schon in der Tasche hatte.
Die Wurzeln allerdings hat Wantzen nie verloren. Er steht mit beiden Füßen fest im Rhein-Nahe-Gebiet. Schon sein Großvater war über 40 Jahre als Landarzt in Gau-Algesheim tätig und Ehrenbürgermeister von Waldhilbersheim (Guldental), sein Vater war Zahnarzt in Bingen. Mütterlicherseits ist der Vater dreier Kinder mit der Kreuznacher Bauunternehmerfamilie Gerharz verbandelt. Noch heute erinnert er sich an die Weinlese in Guldental oder an Familientreffen in Bad Kreuznach, bei denen man über die Gerharz-Baufahrzeuge kletterte. Schon deswegen hatte Wantzen keine Berührungsängste, als er vor einem Jahr gebeten wurde, die Praxis Ari Cronenbergs zu übernehmen - und auch deswegen nicht, weil er sich trotz all seiner Qualifikationen in erster Linie als ganz normalen Allgemeinmediziner sieht. Der allerdings, und da wäre man doch wieder bei den besonderen Eigenschaften, gerne auch Diagnosen in fließendem Französisch oder Englisch stellt, wenn nötig auch auf Spanisch. Selbst das Kreuznacherisch ist passabel.

