Begräbnisstätte angelegt für die Ewigkeit
26.05.2010 - BAD KREUZNACH
Von Christine Jäckel
JÜDISCHER FRIEDHOF Totenruhe oberstes Gebot / Trauerkultur bei seltener Führung vorgestellt / Inschriften in Hebräisch
Bei seiner Gründung lag er außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern, heute ist der Jüdische Friedhof umgeben von Wohnhäusern, der Öffentlichkeit allerdings nur zugänglich anlässlich von Führungen. Die seltene Möglichkeit nutzten am Pfingstmontag rund 50 Bürgerinnen und Bürger, die sich der von Sigrid Brandstetter geführten Exkursion anschlossen.
Das Gelände an der Stromberger Straße war ein Stück Land, das sich nicht für die landwirtschaftliche Nutzung eignete, daher konnte die Jüdische Gemeinde 1661 das Grundstück erwerben, erläuterte Brandstetter. Zudem gab es im jüdischen Bestattungsritus schon früh die Vorschrift, dass Begräbnisstätten mindestens 50 Ellen entfernt von der Stadt liegen sollten.
Die Ursprünge jüdischen Lebens in Bad Kreuznach reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück, der erste Friedhof der Gemeinde, so Brandstetter, der im Gebiet des heutigen Rittergutes Bangert lag, ging im Dreißigjährigen Krieg unter. Auf dem zweiten Friedhof, der heute noch für Bestattungen der Jüdischen Kultusgemeinde Bad Kreuznach/Birkenfeld genutzt wird, befinden sich 800 noch sichtbare Begräbnisstätten. Dass die Begräbnisstätte bis heute erhalten blieb, verdanke sich wahrscheinlich dem Umstand, dass die Anlage eines jüdischen Gräberfeldes auf dem Hauptfriedhof der Stadt als zu teuer angesehen wurde, erklärte Brandstetter. Solche Maßnahmen wurden vielerorts im 19. Jahrhundert durchgeführt, als die Kommunen die Zuständigkeit für die Friedhöfe erhielten.
Da jüdische Friedhöfe für die Ewigkeit angelegt werden und die Totenruhe oberstes Gebot ist, wurden sie wie auch die Anlage in Bad Kreuznach sehr alt und ermöglichen einen mehrere Jahrhunderte umfassenden Überblick über die jüdische Trauerkultur.
So sind die Inschriften an den etwa 300 Gräbern im ältesten Teil in Hebräisch, während die Grabsteine im neueren Teil sowohl hebräische als auch deutsche Inschriften tragen. Kunsthistorikerin Brandstetter wies auf einige markante Dinge der jüdischen Trauerkultur hin, wie die ursprünglich sehr schnelle Bestattung der Toten, die rituell als unrein galten. Auch zum Friedhof habe man im Judentum ein eher zwiespältiges Verhältnis, damit auch die an strenge Einhaltung der rituellen Reinheit gebundenen Kohanim an Beerdigungen teilnehmen konnten, wurde diese häufig in der Trauerhalle oder im Eingangsbereich abgehalten, damit die Geistlichen keine unreine Erde betreten mussten, erläuterte Brandstetter. Auf dem Bad Kreuznacher Friedhof errichtete man in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Totenhalle etwa in der Mitte des Grundstücks, die 1894 um einen östlichen Anbau erweitert wurde.
Im Mittelteil der dreiachsigen Fassade ist die aus der ehemaligen Synagoge in der Fährgasse stammende Marmortafel angebracht, die an die im 1. Weltkrieg gefallenen 16 jüdischen Mitbürger erinnert. Eine kleinere Marmortafel daneben ist dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus gewidmet.

