Was wollen die Frauen?
02.03.2010 - BAD KREUZNACH
Von Christine Jäckel
FORUM Diskussion mit der Autorin Antje Schrupp
Die Gleichstellung der Frauen ist weit vorangekommen, auch wenn die Männer vor allem im Wirtschaftsleben nach wie vor die Spitzenpositionen für sich behaupten. Sollen Frauen alles daran setzen, Erfolg nach männlichen Maßstäben zu kopieren oder sollten sie ihren eigenen Weg gehen, um Einfluss zu gewinnen? Mit dieser Frage führte Gleichstellungsbeauftragte Hildegard Gemünden in das Thema des Vortrags von Antje Schrupp ein, zu dem das Frauenforum eingeladen hatte. Die Frankfurter Politologin, Autorin und Journalistin beschäftigt sich in ihrem neuen Buch "Was wäre wenn" mit der Aktualität der Forderung nach Gleichberechtigung.
Gemünden wies auch darauf hin, dass zwar einerseits die Eignung der Frauen für öffentliche Ämter oder technische Berufe kaum noch in Frage gestellt wird, dass man aber andererseits noch immer für eine geschlechtsunabhängige Leistungsbewertung kämpfen müsse. Derzeit, so Gemünden, verdienen Frauen im Schnitt 23 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.
Frauen, die in Strukturen von Institutionen oder Unternehmen etwas verändern wollen, haben es nicht leicht - Schrupp stellte ihren Ausführungen den Rücktritt der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Deutschland und Landesbischöfin Margot Käßmann voran. Ein Mann hätte den Fehltritt ausgesessen, war man sich in der Teilnehmerinnenrunde sicher, Übereinstimmung herrschte andererseits auch darüber, dass Käßmann mit ihrem Rücktritt den richtigen Entschluss gefasst und ihre Integrität bewahrt hat. Der Wermutstropfen: couragierte Frauen, die bereit sind, Verantwortung in leitenden Positionen zu übernehmen, sind dünn gesät. Deshalb will Schrupp eine Kampagne zur Wiederwahl der Ex-EKD-Vorsitzenden starten. Ein Vorschlag, den die Mitglieder des Frauenforums begeistert aufnahmen.
Die große Veränderung in Sachen Gleichstellung ist aus der Sicht von Schrupp vollzogen, in Parteien und Verbänden mangelt es aber häufig an Bewerberinnen. Liegt es daran, dass Frauen sich oft an den männlich geprägten Institutionen abarbeiten und ihre Erfolge mit dem Verlust weiblicher Tugenden oder der Preisgabe feministischer Positionen bezahlen müssen, fragt sich Schrupp angesichts des zu beobachtenden Rückzugs der Frauen. Geben sie mit ihrem Aufstieg in einflussreiche Positionen vielleicht auch den Anspruch auf einen feministischen Gesellschaftsentwurf auf, indem sie sich dem Erwartungsdruck beugen und wie Männer handeln? Welche Konsequenzen aus der Einsicht zu ziehen sind und dass es nicht genügt, beziehungsweise keine Befriedigung bringt, der bessere Mann sein zu wollen, wurde in der Runde lebhaft diskutiert.
Das Buch "Was wäre wenn" von Antje Schrupp (Verlag Ulrike Helmer) ist in der Stadtbibliothek ausleihbar und für 16,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

