Von Mirca Waldhecker
THERAPIE-HUNDE Bewohnerinnen des Altenheims St. Josef freuen sich über den Besuch der Vierbeiner
Annette Schellong war ganz schön aufgeregt - ganz anders ihre Begleiterin. Die platzte fast vor Freude und wedelte freudig mit ihrem Schwanz, denn es handelte sich um Bonnie, eine Labrador-Hündin. Zusammen mit ihrem Frauchen stellte sie sich gestern der Therapiehunde-Prüfung im Altenheim St. Josef.
Dort wurden die beiden von den Bewohnerinnen Maria Riek und Katharina Bauer begrüßt. Außerdem mit von der Partie: die Prüferinnen Isabel Marschall von der Tierpsychologischen Hundeschule Marschall und Margot Hörpel, Annette Rump in Begleitung ihres Therapiehundes Mary und - um das Hunde-Ensemble komplett zu machen - der Labrador-Rüde Dyos, der Isabel Marschall gehört.
Alle drei Hunde konnten kaum still halten vor Freude über die nette Gesellschaft. Doch bevor sie schmusen durften, mussten Annette Schellong und Bonnie ihre Prüfung bestehen. Zunächst musste Annette Rump einen Theorie-Teil mit Fragen zum Therapiehunde-Einsatz meistern. Dazu gehören unter anderem die Körpersprache des Hundes und der Ablauf eines Besuches.
Der schönere Teil der Prüfung und somit Bonnies Einsatz folgten. Dabei ging es darum Maria Riek und Katharina Bauer für den Hund zu begeistern. Da beide Frauen bereits Hunde besessen hatten, gab es dabei keine Berührungsängste. So wurde Bonnie gestreichelt, gebürstet und beeindruckte mit Tricks, bei denen sie bewies, wie gut ihre Nase funktioniert.
Prüferin Isabel Marschall unterbrach das fröhliche Treiben zuweilen, um den Hund unter anderem auf Futterneid und Lärm-Verträglichkeit zu prüfen. Souverän meisterten Bonnie und ihr Frauchen auch diesen Test - und konnten sich über die strahlenden Augen ihrer Gastgeber freuen, die schon den nächsten Besuch herbeisehnen.
Und den wird Annette Schellong bestimm sehr bald machen, denn überzeugt hat sie mit ihrem Hund auch Gabriele Vogelsberger, die im Heim St. Josef für die soziale Betreuung zuständig ist: "Es ist einfach unglaublich, was diese Hunde bei den Menschen auslösen. Da kommen Emotionen und Erinnerungen hoch und Menschen, die körperlich eingeschränkt sind, überwinden im Umgang mit dem Hund zeitweilig ihre Schmerzen und zeigen eine Mobilität, die im Alltag so nicht möglich wäre."
Allerdings wird Annette Schellong nicht allein kommen, denn Therapie-Hunde kommen immer mindestens im Doppelpack. Aber Annette Rump und Bearded Collie Mary werden die beiden bestimmt gerne begleiten.
Nach dem Einsatz, der maximal 45 Minuten dauern soll, um die Hunde nicht zu sehr zu belasten, steht übrigens ein Spaziergang mit Toberei auf dem Programm. Damit der Hund sich wieder entspannen kann, denn bei einem Therapie-Besuch nimmt so ein sensibles Tier alle Emotionen der Anwesenden auf und versucht auch gestresste Menschen durch Beschwichtigungssignale wie Gähnen zu beruhigen.
Das war auch der Grund warum Anette Schellong und Annette Rump sich für die Therapie-Hunde-Ausbildung entschieden haben. Beide hatten bemerkt, wie gerne sich die Menschen in ihrem Umfeld mit den Tieren beschäftigten.

