Von Mechthild Göbel
„Ich komme mit einem ernsten Anliegen, das war keine gute Woche“, sagte Oberbürgermeister Andreas Ludwig und verkündete: „Die Alte Nahebrücke muss doch abgerissen und neu gebaut werden.“ Der Grund: Die Brücke sei so stark beschädigt, dass eine Sanierung wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll ist. Darin ist sich der OB mit dem Planungsausschuss einig, der am Donnerstagabend in nichtöffentlicher Sitzung über die neueste Entwicklung informiert worden war.
Deutlich wurden die Probleme jetzt, da für die Planung der eigentlich angedachten Sanierung Untersuchungen der Fahrbahndecke durchgeführt wurden. Mehrere Probebohrungen wurden Ende 2009 entnommen und von zwei Labors untersucht – mit einem erschreckenden Ergebnis: „Der Chloridgehalt übersteigt die zulässigen Werte zum Teil um das Fünffache. Damit haben wir nicht gerechnet“, sagte Martin Hofmann, geschäftsführender Gesellschafter des Büros Verheyen Ingenieure, das mit der Planung für die Sanierung beauftragt war. Der Zustand der Brücke verschlechtere sich zudem schneller als erwartet.
Das Chlorid dringe mit dem Streusalz in den Brückenbau ein. „Bei Brücken ist das Problem, dass sie schnell vereisen. Zudem ist die Alte Nahebrücke relativ steil, so dass hier besonders viel Salz gestreut wurde“, sagte Brückenexperte Professor Dr. Thomas Bauer. Dass der Chloridgehalt bei der Alten Nahebrücke so extrem hoch ist, liege – aus heutiger Sicht – auch an einem Planungsfehler, sagte Martin Hofmann. Denn die Fahrbahnplatte der Spannbetonbrücke sei 1955/56 ohne Abdichtungen gebaut worden. Gleiches gelte auch für das Brückentragwerk. Damals sei das Stand der Technik gewesen. Doch das Streusalz kann so in den Beton eindringen und die Schutzwirkung des Betons für die Stahlträger in der Brücke zerstören, die dann rosten.
Früherkennung unmöglich
Diese Schäden früher zu erkennen, sei nicht möglich gewesen, betonte Oberbürgermeister Andreas Ludwig. 2007 habe es die ersten Untersuchungen des Brückenbauwerks gegeben. „Seitdem lief ein ständiger Prozess aus Untersuchungen und Bewertungen“, erklärte Martin Hofmann. Und Thomas Bauer ergänzte: „Das Schlimmste wäre gewesen, wenn wir diese Schäden erst während der Sanierung erkannt hätten.“
Die Tragfähigkeit der Brücke sei akut nicht gefährdet. Angst beim Überqueren der Nahe müsse also niemand haben. Auch die Narrefahrt könne ohne Probleme über die Brücke führen. Allerdings empfahlen die Experten, das Bauwerk alle vier Wochen und nicht wie bislang alle zwei Monate zu kontrollieren. „Jetzt brauchen wir ein ordentliches Konzept für einen Neubau“, sagte Andreas Ludwig. Es seien viele Fragen zu klären, beispielsweise für welchen Typ Brücke sich die Stadt entscheidet. Zwei Neubau-Varianten lagen dem Stadtrat bereits vor, an die es nun anzuknüpfen gelte. Weitere Punkte seien der Denkmalschutz. Auch müsse geklärt werden, was mit den Leitungen, die in der Brücke liegen, geschieht.
Workshop
Im März sollen in einem Workshop mit den politisch Verantwortlichen und Ingenieuren die Rahmenbedingungen geschaffen werden. Wann es mit dem Abriss losgeht, sei noch offen. „Mit dem Neubau verlieren wir Zeit. Wir können jetzt aber nicht jahrelang planen, sondern müssen in den nächsten Monaten die Neuplanungen hinbekommen“, sagte der OB. Wie hoch die Kosten für die neue Brücke sein werden, lasse sich derzeit noch nicht sagen. Die 75 Prozent Landesförderung seien aber auch für einen Neubau in Aussicht gestellt.
Während der Abriss- und Neubauarbeiten soll es für Fußgänger eine Behelfsbrücke geben, die rund 100.000 bis 120.000 Euro kosten wird, wie Tiefbauamtsleiter Günter Deiler sagte. Wo die genau entstehen soll – auch das ist noch unklar.


Behelfbrücke
Die Stadt kann doch das alte Jahrmarktsbrückelchen aufbauen und Wegezoll von 10 Pfennig kassieren, wäre doch einmal ein Gag !!!!!!
Die Touristen würden dann nach KH strömen