GEDENKEN Dauerhafte Erinnerung an jüdische Mitbürger auf der Alten Nahebrücke
(red). Die namentliche Erinnerung an die jüdischen Bürgerinnen und Bürger von Bad Kreuznach, die Opfer des Naziterrors wurden, erhält einen festen Ort auf der Alten Nahebrücke. "Wir möchten an einer exponierten Stelle mitten in unserer Stadt an diese Menschen dauerhaft erinnern", erläuterte Kulturdezernentin Helga Baumann dem Kulturausschuss in seiner letzten Sitzung einen Gestal-tungsentwurf. Auf der alten Nahebrücke wird eine Stele installiert. Auf ihr werden die Namen von 155 Männern, Frauen und Kindern erfasst, die nachweislich ihr Leben durch die national-sozialistische Gewaltherrschaft verloren. Um den visuellen Eindruck in den Abendstunden zu betonen, wird die Stele von innen beleuchtet. Dieses Konzept fand die einhellige Zustimmung der Mitglieder des Kulturausschusses.
Ausgangspunkt der Überlegungen innerhalb eines Arbeitskreises war der Vorschlag von Dr. Michael Vesper, die alte Nahebrücke als verbindendes Element der Stadt auch zum Ort der Erinnerung an Zelemochum zu machen.
Der Leiter der Bauverwaltung und Arbeitskreismitglied, Bernhard Unholtz, präsentierte dem Ausschuss seine Planung. Auf einer 2,30 bis 2,50 Meter großen Stele aus Stahl (60 Zentimeter Durchmesser) werden die 155 Namen zu lesen sein. "Die Werkstatt der Lebenshilfe in Bad Kreuznach ist für eine solche Arbeit bestens ausgestattet", so Unholtz. Installiert werden soll die Stele auf dem alten Teil der Nahebrücke neben dem Eckhaus zur Kurhausstraße.
Die Ausschussmitglieder drängten darauf, mit einer Realisierung nicht auf die Brückensanierung zu warten und wollen dieses Anliegen in ihren Fraktionen vertreten.
Diese Planung ist das Resultat eines Abstimmungsprozesses in einem von der Kulturdezernentin einberufenen Arbeitskreis. Ihm gehören die "kreuznacher diakonie" und die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit an. Dazu wirkten Vertreter der Förderschule am Ellerbach, der Berufsbildenden Schule Wirtschaft, des Lina-Hilger-Gymnasiums, des Gymnasiums am Römerkastell, der Alfred-Delp-Schule, der Stadt und der TuM mit. Der Arbeitskreis setzte sich mit der Frage auseinander, ob eine persönlich namentliche Erinnerung - wie sie schon seit Jahren am 9. November zu den Gedenkstunden gehört - mit einer dauerhaften Stätte verbunden werden kann.
Schnell war man sich einig, dass im Gegensatz zu vielen anderen Städten in Deutschland nicht die "Stolpersteine" gewählt werden sollen, sondern man nach einem eigenen Weg suche, so Helga Baumann. Letztlich entschied sich der Arbeitskreis für den Standort Alte Nahebrücke und den daraufhin entwickelten Gestaltungsvorschlag.
Die "kreuznacher diakonie" begrüßt diese Entscheidung: "In anderen Städten werden Stolpersteine ins Pflaster eingelassen", kommentierte Sprecher Georg Scheffler-Borngässer im Ausschuss, "für Bad Kreuznach finden wir unsere Lösung schöner, wir erinnern an jeden einzelnen Menschen, von dem wir wissen. Wir schaffen neben den anderen Gedenkstätten einen würdigen Platz in der Stadt."
Auch die christlich-jüdische Gesellschaft sieht ihr Anliegen in dem Planungsentwurf verwirklicht: "Hervorzuheben ist die Gesamtkonzeption, die Präsentation der jüdischen Namen, die materiell und visuell gelungene Darstellung und der Standort auf der alten Nahebrücke", erklärte der stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft, Wolfgang Piechota, dem Kulturausschuss. Die Stele eigne sich als Anschauungsort für Lerngruppen, etwa aus Schulen, und als Ausgangspunkt für entsprechende Stadtrundgänge.
Im Arbeitskreis will man dafür an einem Konzept arbeiten. "Es ist ganz wichtig, dass wir weiterhin für die Gedenkarbeit junge Menschen gewinnen", wünscht sich die Kulturdezernentin, dass der von ihr eingeschlagene Weg fortgesetzt wird.

