Von Beate Vogt-Gladigau
Eurythmie Beeindruckende Bewegungskunst in der Loge
Die Eurythmie-Aufführung der "Jungen Bühne Ruhrgebiet" in der Loge beeindruckte durch ihre Gestaltungskraft. Eingeladen zu dieser bemerkenswerten Veranstaltung hatte der Waldorfkindergarten-Verein.
Eurythmie (übersetzt: schöner und wahrer Rhythmus) als darstellende Bewegungskunst geht auf den Anthroposophen Rudolf Steiner zurück, der Eurythmie als sichtbare Sprache verstand. Auf unverwechselbare Art verleiht Eurythmie jedem Vokal, jedem Konsonanten des Sprechers, jedem Ton oder Intervall Bewegung. Durch Rhythmus, Gestik, Motivgebärden und Farbe oder Sphäre zwischen den Tänzerinnen und Tänzern wird die Sprache bewegt und werden Charaktere begreifbar oder innerliche Erlebnisse fühlbar gemacht. Das Tanzensemble hat aber auch Einfluss auf die Sprache, möchte Klang und Inhalt darstellen.
"Die Königstochter in der Flammenburg", ein Märchen von Josef Haltrich, war ein dankbarer Stoff, um ihn in der Bewegungskunst der Eurythmie umzusetzen. Ein Stier begleitet einen armen Knaben zum König und will dessen Tochter aus der Flammenburg erlösen. Die Stationen auf diesem Weg sind mit Hindernissen gespickt, die der Stier überwindet.
Der Stier (Pola Rapatt) ist dabei eine gewaltige Erscheinung, die viel Platz auf der Bühne braucht, gepaart mit dem Rhythmus von Gegensätzen im Vergleich zu den fünf weiteren Akteuren. Handlungen nehmen durch fließende Körpersprache Gestalt an. Gebärden und Bewegungen des Wortes berührten das Innere des Zuschauers. Dies gelang mit nur wenigen Requisiten.
Zum zweiten Mal hatte der Waldorfkindergarten-Verein ein Eurythmie-Projekt in Bad Kreuznach auf die Bühne gebracht. "Wir wollen versuchen, Eurythmie für Kinder bekannter zu machen", so Geschäftsführer Dieter Delvall. Durch die finanzielle Unterstützung der Volksbank Nahetal erhielten das Kindercafé "Knallfrosch" und "Café Bunt" Freikarten.
Während sich die "Junge Bühne Ruhrgebiet" auf die traditionelle Darstellungskunst von Eurythmie konzentriert, zählt das "MondEnsemble" aus Hamburg zur experimentellen Richtung. Es war bei der Eurythmie-Premiere vor zwei Jahren auf der Bühne der Loge und wird wahrscheinlich im Herbst wieder ein Gastspiel geben, kündigte Delvall an.
Die "Junge Bühne Ruhrgebiet" ist in der Tat noch jung. Erst im Oktober des vergangenen Jahres haben sich junge Menschen aus Korea, Kolumbien, Venezuela, Russland, Holland oder Deutschland nach ihrer Ausbildung als Eurythmisten zu einem Ensemble zusammen geschlossen, war von Damiana Fuster (Spanien) zu erfahren.

