Kreuznacher Tierschützer klagen: Mancher Besitzer mit Tier überfordert
07.07.2012 - BAD KREUZNACH
Von Heidi Sturm
Das Wochenende der offenen Tür im Tierheim auf dem Kuhberg war wieder ein echter Magnet für Groß und Klein: Viele Zweibeiner hielten Ausschau nach einem neuen Hausgenossen, andere kamen mit einstigen Tierheim-Schützlingen vorbei, um „Hallo“ zu sagen oder stolz die prächtige Entwicklung ihres Lieblings zu präsentieren. Wieder andere bummelten einfach gemütlich zwischen Käfigen und Boxen durch, holten sich nützliche Infos oder amüsierten sich über drollige Insassen wie etwa schnurrende Kätzchen oder die energische Schildkröte, die ständig Kaninchen aus dem Weg schubste.
Beim großen Krempel- und Bücherflohmarkt gingen die „Schätze“ bei Taschengeldpreisen weg wie warme Semmeln, und so mancher wurde sogar schon in Kisten mit Weihnachtsdekoration fündig.
Auch die Lose der stets reich bestückten Tombola mit über 1000 Preisen waren bald ausverkauft, ebenso die Kuchenplatten früh „geputzt“.
Tollen Anklang fanden auch die „Naschtütchen“ für Zwei- und Vierbeiner, die Sabine Wachsmuth mit viel Liebe gebastelt hatte. Dies war ein kleines Dankeschön dafür, dass „Katzenflüsterin“ Sonja Dieser im Urlaub ihre Tiere versorgt hatte.
Artgerechter Umgang
Großes Interesse fanden die Vorführungen der Mobilen Hundeschule Strube oder die eindrucksvolle Demonstration der Hundeschule „Rudel-Familie“, dass der Mensch mehr als ein Futterspender und der Hund mehr als nur ein Befehlsempfänger ist. Hier lernte man „hündisch“ mit dem Tier zu kommunizieren - nicht, um als reines Gehorsamstraining den Willen durchzusetzen, sondern um im artgerechten Umgang Sicherheit und Harmonie herzustellen.
Während das Wochenende der offenen Tür mit den zahlreichen Besuchern auf Hochtouren lief, war für die Tierschützer auch Alltag angesagt: So wurden einige verletzte und junge Tiere abgegeben, neben verwilderten Katzenbabys mit Schnupfen auch ein junger Mauersegler, der jetzt mühevoll gestopft werden muss. Ein paar Tage zuvor war schon ein verwaistes Rotschwänzchen zum Großziehen abgegeben worden. Nachdem das Vögelchen nicht mehr versorgt worden war, hatten Tierfreunde das Nest aus dem Baum geholt und auf den Kuhberg gebracht. „Das ist in der Nachwuchszeit an der Tagesordnung“, sagte Tierheimleiterin Doris Prinz. In der Ferienzeit werden hier wohl wieder etliche „Fundtiere“ eintrudeln, die nicht in die Urlaubsplanung passten und einfach irgendwo angeleint „entsorgt“ wurden.
Bei der Jahreshauptversammlung des Tierschutzvereins zum Auftakt des Wochenendes hatte Vorsitzender Dr. Frank Höhner auch etliche andere Probleme angesprochen, die zunehmend Sorgen bereiten.
Nicht richtig erzogen
So etwa das „Animal Hording“, bei dem „Tier-Messies“ die Tierhaltung nicht mehr im Griff haben, so dass sich die Hausgenossen ungebremst vermehren und in völlig verwahrloster Umgebung vor sich hinvegetieren. Die „grausige Geschichte“, bei der in Staudenheim rund 100 meist kranke Tiere aus einem Haus geholt wurden, war laut Höhner kein Einzelfall.


