„Die Sache in Bingen will ich erledigt haben“
28.06.2012 - BAD KREUZNACH
Von Christine Jäckel
PROZESS Abhörprotokolle belasten Gastronomen Ali G. / Sachverständiger bezweifelt, dass Brückenhaus abgebrannt wäre
Es wird weiterverhandelt, soviel steht nach dem achten Verhandlungstag in dem Verfahren gegen Ali G. fest. Ein von der Verteidigung angeregtes Verständigungsgespräch zwischen den Prozessbeteiligten verlief ergebnislos. Der Prozess wird daher am Donnerstag um 13 Uhr mit der Anhörung weiterer Zeugen fortgesetzt.
Die Schwurkammer hörte unter anderem erneut den Nebenkläger, einen 26-jährigen Binger Gastronom und Studenten, von dem Ali G. in Bingen einen Biergarten und ein Restaurant gepachtet hatte. Dabei ging es um die Klärung der Frage, ob der Angeklagte am mutmaßlichen Tattag - vermutlich der 23. oder 24. Dezember - über den Aufenthaltsort des 26-Jährigen im Bilde war. Wie der 26-jährige erklärte, war allgemein bekannt, dass er am Wochenende immer bis in den frühen Morgen in seinem Lokale anzutreffen sei.
Was bedeutet „Maschine“?
Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte einen bulgarischen Hilfsarbeiter mit der Ermordung des 26-Jährigen beauftragt haben, weil er ihm Geld schuldete. In den Gesprächsaufzeichnungen, die in dem Verfahren gehört wurden, findet dieser Plan nur kurz Erwähnung. Kriminalbeamte hatten den Bulgaren Bojan D. - mit einem Mikrofon ausgestattet - zu weiteren Unterredungen mit seinem mutmaßlichen Auftraggeber geschickt. Der Bulgare hatte sich nach einem ersten Gespräch mit Ali G., bei dem ihn dieser mit der Ermordung des 26-Jährigen und der Brandstiftung an einem der Kreuznacher Brückenhäuser beauftragt haben soll, an das BKA gewandt. „Lass uns heute nach Bingen fahren, zeig mir mal den Mann“, versucht darauf Bojan seinem Gesprächspartner weitere Einzelheiten zu entlocken. „Ich werde dich dort absetzen“ und „Die Maschine ist da“ entgegnet Ali G. auf dem Band. Das Wort Maschine werde mit verschiedenen Bedeutungen im Türkischen gebraucht, unter anderem auch in der Bedeutung von Waffe, erläuterten dazu die Dolmetscher. „Auch diese Sache in Bingen möchte ich erledigt haben“, erklärte Ali G. bei einem zweiten Gespräch. Über die geplante Brandstiftung an dem Brückenhaus, in dem seine Freundin eine Boutique führt, verraten die Gesprächsprotokolle schon mehr. Bojan D. hatte nach Anweisung des Angeklagten die Örtlichkeiten unter die Lupe genommen und etwa Überwachungskameras eines Kreditinstitutes registriert.
Pläne ausführlich besprochen
In der Unterhaltung erhielt er weitere Anweisungen wie etwa die kleine Treppe zum Mühlenteich zu benutzen und eine Maske überzuziehen. Ausführlich besprochen wurde zwischen den beiden Männern auch, wie die Brandlegung vonstatten gehen sollte. Der Bulgare fragte außerdem nach, ob das Gebäude bewohnt ist: „Da ist eine Klingel, ist jemand oben?“ - Mit einer Formulierung wie „Das ist egal“ oder „Das muss dich nicht kümmern“, antwortete darauf Ali G.
Ob das Brückenhaus tatsächlich mit der geplanten Vorgehensweise in Brand geraten wäre, hatte in einem früheren Prozesstermin ein Brandgutachter des Landeskriminalamtes stark bezweifelt. Wie er erläuterte, ist das mutmaßliche Ziel des Anschlags, das Lokal im Untergeschoss des Brückenhauses, mit einem hohen Brandschutzstandard ausgestattet. Sämtliche Wände und Decken seien mit einem feuerhemmenden Material verkleidet, die 90 Minuten Schutz bieten, zudem sei das zweite Untergeschoss räumlich komplett vom restlichen Gebäude getrennt, so der Sachverständige.


