Bürokratie statt Berufshilfe
28.06.2012 - BAD KREUZNACH
Von Robert Neuber
JOB FÜXE Der Landkreis verzweifelt am umständlichen Antragsverfahren für die Schulmitarbeiter
Er habe sich vor einigen Tagen sogar kurz überlegt, mal nach Mainz zu fahren und seinem Ärger dort bei den Verantwortlichen mal Luft zu machen, erklärte Kreisjugendpfleger Lothar Zischke im Jugendhilfeausschuss des Kreises am Dienstag. Grund für Zischkes Zorn sind die bürokratischen Hürden, die es bei der Antragsstellung für das Programm „Job Fux“ mittlerweile zu überwinden gilt. „Job Füxe“ sind Mitarbeiter, die Jugendlichen an Haupt-, Real- und Berufsschulen Hilfestellung bei der Berufsorientierung geben sollen - insbesondere schwachen Schülern oder jenen, die aus sozial benachteiligten Milieus stammen. Finanziert werden diese Mitarbeiter vor allem über Zuschüsse aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) und vom Land, die Kommune trägt einen geringeren Teil.
Im Landkreis Kreuznach gibt es drei Job-Füxe: an der Realschule Plus Waldböckelheim/Wallhausen ist eine ganze Stelle angesiedelt, an IGS Ringstraße und Realschule Plus an der Heidenmauer in Bad Kreuznach je eine halbe Stelle. Wobei die an der Heidenmauer seit einem halben Jahr nicht besetzt ist. Die bisherige Förderzusage läuft zum 30. Juni aus, und was Zischke aufbringt ist die Tatsache, dass die derzeitigen Mitarbeiter eine Woche vor Ablauf ihres Vertrags immer noch nicht wissen, ob ihre Stelle weiter bewilligt wird. Zuständig dafür ist eine Agentur in Mainz, und von dort hat Zischke erst am Montag erfahren, dass der ESF gar keine halben Stellen mehr bewilligt. Womit die beiden halben Stellen in Bad Kreuznach in Frage gestellt sind. Die Anforderungen an die Antragstellung werden immer komplexer und bürokratischer, und darin sieht Zischke System. Man will Antragsteller offenbar entmutigen und abschrecken.
Stephanie Otto (Grüne) forderte erzürnt, sofort aus dem „lausigen“ Programm Job Fux auszusteigen und anderweitig Finanzierungen zu suchen. Man bekomme unter solchen Bedingungen - vor allem durch die Einjahresverträge - „keine Leute mehr“, die sich für diese Tätigkeit interessierten.
Dem widersprach Bürgermeisterin Martina Hassel (SPD): In der Stadt müsse man auch mit Einjahresverträgen arbeiten, und das funktioniere gut: Die Stadt schließt Drei- bis Fünfjahresverträge unter dem Vorbehalt einer Bewilligung der Zuschüsse durch den ESF und das Land. Auch Zischke wollte nicht so schnell die Flinte ins Korn werfen. Das sei ja wohl gerade das Motiv für die Verschärfung der Antragsstellung, eben zu bewirken, dass aus dem Programm ausgestiegen wird. Aber der Landkreis könne sich es nicht leisten, diesen Weg zu gehen, also „sollten wir das durchstehen“.
Fünf bis sieben Prozent aller Jugendlichen im Landkreis Bad Kreuznach bleiben ohne Schulabschluss, ebenso viele gelten als junge Menschen ohne Perspektive auf dem Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt.
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