An der Wiege der Schönheit
06.01.2012 - BAD KREUZNACH
Von Isabel Mittler
DISSERTATION Dr. Ronja Jacob erforscht Kosmetik im antiken Palästina / Scherben aus Israel geben Aufschluss
Cremes gegen Falten, Öle gegen trockene Haut, Essenzen für glänzendes Haar - Produkte für die Schönheit sind aus dem heutigen Leben nicht wegzudenken. Bis in die Steinzeit zurückverfolgen lassen sich die ersten Bemühungen unserer Vorfahren, ästhetisch positiver zu erscheinen. Die Ursprünge der kosmetischen Produkte sind in Salbungsritualen zu finden oder mit einem medizinischen Hintergrund zu belegen. „Schwarze Paste trug man sich um die Augen auf, um sich vor Sonne, Sand und Insektenstichen zu schützen“, erläutert Dr. Ronja Jacob. Schnell wurde dabei der Schönheitsnebeneffekt deutlich, der Ursprung für den Kajalstift war gelegt.
Theologie und Geschichte auf Lehramt studiert
Rund fünf Jahre lang arbeitete Ronja Jacob an ihrer Doktorarbeit „Kosmetik im antiken Palästina“. Während dieser Zeit hielt sie sich mehrmals in Israel auf. Besonders fündig wurden die Ausgrabungsteams in den Ruinen zweier wichtiger Großstädte ihrer Zeit in Kanaan: Hazor und Megiddo. 2005, als Jacob erstmals in Israel arbeitete, wurden die Überreste Hazors von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. „Mit den Darstellungen in Kinofilmen wie Indiana Jones oder Da Vinci Code hat das wenig zu tun“, zwinkert die 37-jährige gelernte Lithografin, die ihr Fachabi mit Schwerpunkt Gestaltung und Architektur am Ketteller Kolleg absolvierte und Theologie und Geschichte auf Lehramt studierte. Promoviert hat sie in biblischer Archäologie und Altem Testament bei Professor Dr. Wolfgang Zwickel an der Universität Mainz.
Für ihre Doktorarbeit hat Ronja Jacob in einer Sisyphusarbeit Scherben von Salbgefäßen unter anderem aus Alabastron gereinigt, vor Ort ausgewertet, zusammengeklebt und am PC nachgezeichnet. Davor hatte sie am See Genezareth eine Ausbildung zur Grabungszeichnerin absolviert, auch der Sprachen Griechisch, Latein, Hebräisch ist sie in Teilen mächtig. Zwei Semester studierte sie Mittelägyptisch. „Man muss die Urquellen verstehen können“, unterstreicht Jacob, die in Pfaffen-Schwabenheim aufgewachsen ist.
Während Nil-Kreuzfahrt Liebe zu Ägypten entdeckt
Während einer Nil-Kreuzfahrt entdeckte Jacob ihr Liebe zu Ägypten, der „Wiege der Schönheit.“ Von dort aus startete der Siegeszug von wohlriechenden Ölen, Pasten und Salben auch nach Israel und hinaus in die Welt. Dr. Ronja Jacob zeigt an vier bedeutenden Frauen der Bibel (Ester, Judit, Susanna und Rut) in ihrer Arbeit auf, wie diese kostbaren Güter in den Bevölkerungsschichten angewandt wurden. Ärmere griffen zu Ruß/Kohle, reiche Leute verwendeten Bleispießglanz. Die dunkelblaue Farbe war ein Abfallprodukt der Glasherstellung. Das Lippenrot wurde durch zerstoßenen Ocker erzeugt, vermischt mit Milch, Olivenöl oder Honig. Für die Duftstoffe sorgten Zugaben unter anderem von Minze, Myrrhe, Duftgräsern (Zitronella), Lorbeer, Nelkenköpfchen oder auch Granatapfel. Auch Narde, eine Baldrianpflanze, galt damals als wohlriechend. „Für unsere heutigen Nasen unerträglich“, schmunzelt Jacob. Die Damen waren für die damalige Männerwelt oft zu verführerisch, zu verlockend duftend, dass die Erwähnung von kosmetischen Produkten und ihre Anwendung in der Bibel wegen ihrer betörenden Wirkung meist negativ belegt waren. Die archäologischen Funde aber, unterstreicht Jacob, beweisen, dass im alten Palästina das Schminken sehr populär war.
Im April wird Dr. Ronja Jacob (Gymnasiallehrerin in Teilzeit an der IGS Stromberg für Geschichte/Ethik, evangelische Religion) wieder nach Israel reisen - um ihr Wissen weiter zu vertiefen. Intensiver in Augenschein nehmen möchte sie Ein Gedi, eine Oase im nördlichen Teil der israelischen Wüste Negev am Westufer des Toten Meeres.
Bis dahin gibt es für sie keine große Ruhepause. Sie hält Vorträge, erstellt Einträge für Lexika und hilft ihrem Mann Alexander Jacob im Hofgut Rheingrafenstein. Fortgesetzt wird auch die 2010 begonnene Reihe „Faszinierende Frauengestalten in der Bibel“ in Kooperation mit dem Förderverein fürs Frauenhaus und der GuT.

