Schmusen mit Bonnie und Aika
03.12.2011 - BAD KREUZNACH
Von Isabel Mittler
HAUS ST. JOSEF Therapiehunde zaubern Lächeln in die Gesichter der Bewohner / Bürsten, Streicheln, Spielen
Heute sind Bonnie und Aika zu Besuch im Haus St. Josef. Ihre Aufgabe: Die Bewohner zu motorischen Aktionen anzuleiten, Streicheleinheiten in Empfang zu nehmen und das ein oder andere Leckerli auszupacken. Denn Bonnie und Aika sind ausgebildete Therapiehunde. Die beiden Labrador-Retriever, die eine Hündin blond, die andere dunkelbraun, sind samt ihren Besitzerinnen Anette Schellong aus Grolsheim und Kriemhild Metzroth aus Bad Kreuznach mittlerweile schon gute Freunde der Seniorenrunde in der Einrichtung der Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz.
Ernst Laws zum Beispiel ist dafür zuständig, montags das Fell von Bonnie zu bürsten. Handgriffe, die für die älteren Menschen eine Möglichkeit sind, in Bewegung zu bleiben, die Motorik zu fördern. Einige der Teilnehmer der morgendlichen „Therapiestunde“ hatten früher selbst Haustiere. „So hat unser Duxi immer geguckt“, ruft Antonia Fischer in die lockere Runde.
Mit Fingerspitzengefühl Leckerli auf Schnur fädeln
Die Herrschaften kennen die Aufgaben teils schon, jetzt ist für Elisabeth Berg, Katharina Bauer und die anderen Aktion angesagt: Kleine Snacks für die außerordentlich gehorsamen und zutraulichen Vierbeiner werden in Decken oder Kästchen versteckt, auf Schnüre aufgefädelt. Dann wiederum fliegt die bissfeste Doggy-Zeitung aus weichem Kunststoff durch den Raum. Jetzt soll apportiert werden. „Och, nicht weit genug“, spornt Kriemhild Methroth die Senioren zu mehr sportlicher Aktivität an.
Auch die, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, haben da wenig Probleme, mitzumachen, denn auch ein Schlenker-Mäppchen kommt zum Einsatz. Hier muss der Reißverschluss geöffnet und geschlossen werden, um das Leckerli zu verstecken. Und bei Verstecken und Finden haben alle Spaß, Hundebesitzerinnen wie Bewohner als auch die Therapietiere selbst. „Sie freuen sich auch auf diese Zeit“, wissen ihre „Frauchen“.
In den Pausen für die Senioren zeigen Aika und Bonnie, was sie sonst noch so drauf haben und bei ihren Ausbildungen gelernt haben, entweder bei den Maltesern oder in der tierpsychologischen Hundeschule Marschall in Münchwald. Die ist übrigens bei der vorletzten „Wetten-dass?“-Sendung Anfang November mit Thomas Gottschalk zu Berühmtheit gelangt: Bonnie gehörte mit zu den Hunden, die in dem Fernsehklassenzimmer Platz nahmen und an Atem und Kopfform blind erkannt werden mussten. „Thomas Gottschalk hatte jede Menge flotter Sprüche parat und hat die Hunde bei den Proben ganz kirre gemacht“, erzählt Anette Schellong vom großen TV-Auftritt. Aber Bonnie kann mehr als brav auf der Bank sitzen, Aika ebenfalls: jetzt springt die Hündin durch Hula-Hoop-Reifen, legt ein Tänzchen ein und macht auf Aufforderung ein „Schläfchen“. Die Senioren lächeln, dann klatschen alle „Assistenten“ Beifall.
Für Anette Schellong, seit zwei Jahren dabei, und Kriemhild Metzroth, seit Eröffnung des Hauses mit der Hundetherapie zu Gast, sind die wöchentlichen Besuche im Haus St. Josef lieb gewordene feste Stunden geworden. Für Schellong gab eine ältere Dame im Bekanntenkreis, die ihr Leben lang Angst vor Hunden hatte, den Ausschlag für ihre Tätigkeit mit den Senioren: Denn sie spürte, dass Bonnie, die sie als acht Wochen alten Welpen bekam, besonders ausgeglichen und belastbar ist, sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt. „Und so kann man anderen Menschen Freude bringen.“
Vorfreude auf wöchentliche Treffen auf beiden Seiten
Kriemhild Metzroth wollte der jetzt siebenjährigen Aika eine sinnvolle Aufgabe geben. Die Ausbildung zum Begleit- und dann zum Therapiehund dauert rund zwei Jahre. Und dass sich die gelohnt hat, beweist die muntere Gruppe im Erdgeschoss des St. Josef-Seniorenhauses. „Mit Aika besuchte ich in der Adventszeit einmal eine bettlägrige Patientin. Sie streichelte den Hund und sagte, das ist für mich jetzt schon Weihnachten. Das hat mich sehr berührt“, erinnert sich Kriemhild Metzroth.
So, wie Aika und Bonnie den Bewohnern Anreize geben, aktiv zu bleiben, soll auch der Weihnachtswunsch der Mitarbeiter und Senioren eingesetzt werden: ein mobiler Snoezelwagen. Mit ihm sollen die Bewohner, die schwer ihr Zimmer verlassen können, auf sanfte Art und Weise gefördert oder beruhigt werden. Die Leser der AZ können mit Spenden dazu beitragen, dass dieser Wunsch im Frühjahr kommenden Jahres erfüllt werden kann.

