Ein wahrhaft lebendiges Haus
20.09.2011 - WINZENHEIM
Von Heidi Sturm
ÖKJH Diakon Duhrmann und Jugendliche nutzen laufende Sanierung des Jugendhauses für Neuerungen
Im Winzenheimer Ökumenischen Kinder- und Jugendhaus (ÖKJH) sind fleißige Heinzelmännchen am Werk: Etliche Jugendliche packen hier mit Diakon Andreas Duhrmann tatkräftig an, um ihr Domizil wieder in Schuss zu bringen: „Wir haben die grundlegende Sanierung am Gebäude genutzt, um uns von Altem zu trennen und den Räumen eine neue Bedeutung zu geben“, sieht Duhrmann auch eine Chance in den seit Monaten dauernden umfangreichen Arbeiten: Der ständige größere und kleinere Wandel im Haus zeuge von seiner Lebendigkeit und den dort heranwachsenden unterschiedlichen Generationen der Jugend.
Gebäudeschäden sorgten für Schließung im Februar
Seit Februar ist das Gebäude geschlossen, nachdem über Nacht Spannungsrisse am ganzen Haus aufgetreten waren (wir berichteten). Umfangreiche statische Untersuchungen ergaben, dass die alten Sandstein-Fensterstürze im Erdgeschoss marode waren, so dass die darauf liegende Holzbalkendecke gearbeitet hatte. Dadurch brachen die Stürze, und es traten Risse in den Wänden bis unter das Dach auf. „Eine Gefährdung hat aber niemals bestanden“, betonte Duhrmann, dass das Haus zwar sanierungsbedürftig, aber nicht baufällig war.
Laut den Statikern sowie der Fachfirma, die inzwischen schwere Stahlträger über den Fenstern als Auflage für die Decke einbetoniert hat und auch von außen noch den Sichtsandstein anbringen wird, ist dies nichts Ungewöhnliches, sondern ein normaler Alterungsprozess. Erste Risse müssen schon vor Jahrzehnten aufgetreten sein, die zugegipsten Stellen fand man bei der Renovierung unter den Tapeten. Für die Sanierung, bei der auch neue Fußböden eingebaut werden, mussten im Haus ganze Räume leer- und umgeräumt werden: Derzeit ist der vor fünf Jahren von Jugendlichen umgebaute Multifunktionsraum ein großes Lager, in dem sich Materialkisten und Mobiliar türmen. Mitten in diesem „Chaos“ hat Duhrmann ein provisorisches Büro eingerichtet, an dem er „nebenbei“ zu den Umbauarbeiten „den Laden am Laufen hält“ und zudem größere Projekte wie die Auschwitzfahrt organisiert. Bis auf wenige Gruppen geht die Jugendarbeit „normal weiter“ - eben nur in anderen Häusern.
Beim Entrümpeln wurde altes Mobiliar aussortiert, das einst vom Sperrmüll stammte oder von Bürgern ausrangiert und gespendet wurde. „Das hatte auch hervorragend seinen Zweck erfüllt, war aber jetzt fertig“, sagte Duhrmann, der bislang mit den Jugendlichen sechs Fuhren zum Wertstoffhof unternommen hat.
Auch der Schuppen wird noch entrümpelt. Hier entsteht der neue vergrößerte und vor allem kindgerechte Sanitärbereich, der für das große Haus mit seinen vielen Besuchern dringend erforderlich ist. Der alte Trakt, in dem unter anderem Abwasserrohre und Zuleitungen kaputt sind, das Dach undicht ist und Schimmel sich breit macht, wird komplett abgerissen.
Derzeit rackern die Jugendlichen im ehemaligen kleinen PC-Raum. Die Tapete ließ sich leicht entfernen, die zwei Schichten Leimfarbe sind jedoch hartnäckig und müssen intensiv eingeweicht und abgekratzt werden - eine Arbeit, die nur wenig Spaß macht. Trotzdem halten die Jugendlichen tapfer durch. Hier soll ein bislang nicht vorhandener Rückzugs- und Besprechungsraum entstehen. Die gemütlichen Cocktailsessel und auch das weitere benötigte Mobiliar für das ganze Haus wird der Förderverein spendieren. Einen eigenen PC-Raum braucht man im ÖKJH nicht mehr: Dank vier W-Lan tauglichen Laptops vom Kreisjugendring kann man jetzt in jedem Raum in Gruppen am PC arbeiten, etwa im Konfiunterricht recherchieren oder aber nach Bastelanleitungen stöbern.

