Politik trifft auf Jugend
28.02.2011 - BAD KREUZNACH
Von Marieke Jörg
LANDTAGSWAHL Direktkandidaten stellen sich den Fragen der jungen Menschen / Thema Ehrenamt und Schule
Jugendarbeit bedeutet mehr als Bildungspolitik, das wissen in der Theorie alle Volksvertreter, die am Freitagabend bei dem vom Kreisjugendring Bad Kreuznach e.V. organisierten jugendpolitischen Forum „Jugendarbeit trifft Politik - Politik trifft Jugendarbeit“ in der Mühle erschienen waren. Erstaunt waren sie jedoch mehr als einmal von den ausgesprochen konkreten Fragen, die die Jugendlichen an sie richteten.
Von den zehn Direktkandidaten, die sich für die Wahlkreise 17 (Bad Kreuznach) und 18 (Bad Sobernheim/ Kirn) bei der Landtagswahl am 27. März auf den Stimmzetteln finden, waren neun erschienen. Die SPDler Carsten Pörksen und Peter Wilhelm Dröscher, Nicole Morsblech und Martin Mann von der FDP, Björn Schmitt und Manfred Reichard als Vertreter der Linken, Ludger Nuphaus und Volker Kohrs von den Grünen sowie Bettina Dickes von der CDU, die als Vertretung für die verhinderte Julia Klöckner den Kreuznacher Oberbürgermeister Andreas Ludwig mitgebracht hatte.
Eigenes Konzept vorgestellt
Auch sechs Vertreter der Piratenpartei, Claudia Frick, Leonie und Ilona Ranly, Frank Korrell, Michael Zaspel sowie Christoph Stumpenhagen, hatten sich, auch ohne bei der Landtagswahl einen Direktkandidaten zu stellen, eingefunden, um den Jugendlichen Rede und Antwort zu stehen. Bereits im Vorfeld hatten die Politiker verschiedene Fragen beantwortet, die auf der Internetpräsenz des Kreisjugendrings nachzulesen waren. Nachdem sie sich und ihr Konzept von Jugendarbeit vorgestellt hatten, beantworteten sie unter Vorgabe von Leitthemen durch die Jugendarbeiter Vanessa Berg, Günter Kistner und Jens Artmann den interessierten Fragen von Jugendlichen und Jugendarbeitern.
Klarer Diskussionsschwerpunkt, der sich in allen Runden wiederfand, war die Vereinbarung von ehrenamtlichem Engagement mit den stetig steigenden schulischen Anforderungen. Insbesondere die Ganztagsschule verhindere, dass sich die jungen Menschen außerschulisch einbringen könnten, so die einhellige Meinung. An diesem Punkt gelte es anzusetzen, stimmten auch die Politiker zu.
Hier seien auch die Schulen und Lehrer gefordert, den Jugendlichen das Ehrenamt näher zu bringen, ließ Pörksen verlauten. Ludger Nuphaus sprach ebenfalls, in einem intensiven Gespräch mit dem jungen Türken Mehmet, vom Aufbau eines besseren Angebotes speziell für Immigranten, um diesen auch außerhalb von traditionellen Aktivitäten die Möglichkeit zu bieten, einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. „Den Jugendlichen auf der Hauptschule wird das Gefühl vermittelt, dass aus ihnen sowieso nie etwas werden kann, statt ihnen neue Wege aufzuzeigen, sich zum Beispiel außerschulisch einzubringen“, kritisierte Mehmet außerdem.
Auch für die Piraten sei „Bildung mehr als Schule“, betonte Frick. Das Lernen von sozialem Miteinander und Engagement sei ebenso essentieller Teil des Bildungskonzepts wie Schule und Studium.
Schüler bringen Politiker ins Straucheln
Nach zwei interessanten Stunden mit zum Teil hitzigen Diskussionen war der Tenor der Politiker, dass in den Schulen Freiräume für Vereinstätigkeiten geschaffen werden und auch das Ehrenamt von den Lehrern beworben werden müsse. Schmitt freute sich, dass die Jugendlichen die Möglichkeit des Abends genutzt hatten, die Politiker mit ihren Fragen auch das ein oder andere Mal ins Straucheln gebracht zu haben. „Ich fand es schön, heute Abend als Mensch vor Menschen gestanden zu haben“, erklärte auch Dickes.
„Das politische Engagement der Jugendlichen in Bad Kreuznach und Umgebung ist im Bundesvergleich sehr hoch. Hier muss man ansetzen und der heutige Abend war ein guter Schritt in die richtige Richtung“, verdeutlichte Günter Kistner abschließend. Auf die Frage, was sie an diesem Abend mitnehmen konnten, antworteten die Freundinnen Xenia K. Und Xenia R.: „Es war zwar sehr informativ, aber oft auch ziemlich undurchsichtig. Wir wissen allerdings jetzt, wessen Konzept zum Thema Jugendarbeit wir nicht teilen.“

