Für Carmen Maria Thomas darf es gern flippiger sein
22.01.2011 - BAD KREUZNACH
Von Isabel Mittler
DESIGN Schneidermeisterin entwirft Kollektionen für drei eigene Labels / Klamotte trifft Kunst
„Darf es ein bisschen flippiger sein?“ Wenn es nach Schneidermeisterin Carmen Maria Thomas geht, auf jeden Fall. Anregungen dafür gibt sie selbst, drei eigene Labels hat sie bereits kreiert. Präsentiert werden die Unikate seit diesem Monat in ihrem Mode-Design-Atelier in der Alten Neustadt „Am kalten Loch“.
Mut zur Selbstständigkeit
Davon, eigene Mode zu machen „und zu verkaufen“ träumte die gebürtige Hunsrückerin schon als Teenager. Dieses Ziel vor Augen, absolvierte sie bei der ehemaligen Firma Gläser in Bad Kreuznach eine dreijährige Ausbildung zur Damenschneiderin. Es folgten Weiterqualifizierungen in Düsseldorf zur Schnitt-Directrice, Abstecher ins Saarland und Tätigkeiten als Designassistentin unter anderem bei Tallyweijl, Chalou und Tacco. „Dann wurde es Zeit, mich selbstständig zu machen“, befand die allein erziehende Mutter eines mittlerweile 16 Jahre alten Sohnes. In Mainz legte sie die Meisterprüfung Damen-/Herrenschneider ab und seit knapp acht Jahren ist sie freiberuflich tätig.
Was an ihrer robusten Industrienähmaschine entsteht, ist eigenwillig und originell. Carmen Maria Thomas legt das Hauptgewicht ihrer Arbeit auf Designtrends, fertigt Kleider, Röcke, Jacken, Blusen primär in den Größen 36 bis 40 an. Die Kollektionen der Labels gehen in drei Richtungen: „Jocalolita“ dürfte zum Beispiel der Manga-Generation gefallen. Die Schwarz-Rot-Weißen Modelle sind asiatisch angehaucht, zum mehrlagigen Tüllrock wird da eine Korsage getragen. Bonbonfarben sind die Modelle der Reihe „Candystation“ und die sind nicht nur „süß“, sondern auch ganz speziell mit Details versehen, wie die an einer Schnur baumelnden High Heels einer Barbiepuppe. Das dritte Label, Carmen Maria Thomas, ist edler, wird strikt in den Farben Creme und Nute gehalten und erinnert an den Stil von Coco Chanel. In dieser Kollektion steht die Verspieltheit im Mittelpunkt- unverzichtbares Detail hier: Klöppelspitze. „Ich bin ein wenig ,Sex and the City‘-angehaucht“, lacht die Schneiderin, die sich natürlich auch auf Maßanfertigungen, aktuell von ganz individuellen Faschingskostümen für den großen Auftritt versteht.
Edle und schrille Trendsetter
Zwischen den Designerteilen hängen auch Secondhand-Kleidungsstücke im Vintage-Stil. Kleider aus den Siebzigern nimmt die Schneidermeisterin in Kommission. Und dann hängen im Laden mit der gemütlichen Couch auch noch schrille „Trendsetter“ made in Kreuznach: Seit einem Treffen von Carmen Maria Thomas mit Altstadt-Nachbar Walter Brusius gibt es die Reihe „Zwei Ateliers - Klamotte trifft Kunst.“ Brusius bemalt hundertprozentige Baumwolle oder auch bereits zugeschnittene Hemden, Kleider, Shirts, Blusen, Röcke. „Ich habe zuvor noch nie mit Textilfarbe gearbeitet. Aber es macht Spaß“, betont Brusius. An dieser Arbeit gefällt ihm das „pure Malvergnügen“ mit meist grellen Farben, „ohne die Kunst an sich reflektieren zu müssen, ohne darüber grübeln zu müssen, was hat das Gemalte zu bedeuten“. Diese nicht gegenständlich, freie Malerei auf Stoff möchte Brusius gerne fortsetzen. Die Kleidungsstücke, auch Taschen und Schürzen bietet diese Kollektion, sind übrigens bis 60 Grad waschbar.
Carmen Maria Thomas, die bereits in der Postgasse ein Atelier betrieb und ihre Kollektionen schon auf einigen Modenschauen präsentierte, möchte alle drei Monate eine neue Kollektion anbieten. Monatlich soll die Präsentation im Schaufenster wechseln. Derzeit wird das Projekt „Wäscheleine“ vorbereitet. „In Bad Kreuznach kriegt man künftig was auf die Augen“, verspricht die Designerin.

