Grenzüberschreitende Musik
13.05.2010 - IDAR-OBERSTEIN
KULTURSOMMER Symphonisches Blasorchesters Obere Nahe erkundet zum Auftakt die Weltmeere
(red). Einer der vielen originellen Höhepunkte im reich bestückten Idar-Obersteiner Eröffnungsmarathon zum Kultursommer 2010 war nicht zuletzt der stark applaudierte Auftritt des Symphonischen Blasorchesters Obere Nahe (SBO). Bruno Zimmer, Oberbürgermeister der den Kultursommerauftakt ausrichtenden Schmucksstadt, begrüßte, das Publikum im Stadttheater und verwies - im Einklang mit dem Kultusommer-Leitmotiv „Über Grenzen“ auf dessen „grenzüberschreitende“ Qualitäten. Dabei hob er die hohe Kompetenz des musikalischen Leiters des SBO, Jochen Lorenz, hervor. Auch ein anderes „grenzüberschreitendes“ Teamwork sprach er an: den freiwilligen und vorbildlichen Einsatz der Bundeswehr bei Aufbau und Infrastruktur des Projektes, insbesondere des aufwendigen Programms von „Stadt und Fluss im Lichterfluss“.
Als „ausgefallenes“ Motto hatte sich das an den zahlreichen verschiedenen Pulten reich bestückte Orchester ein nicht alltägliches Programm, eines „im Fluss“, vorgenommen. „Hands across the Sea“, hier zu verstehen als patriotischer Appell „Matrosen an die Front“ (im Krieg der Vereinigten Staaten mit spanischen Kolonialherren 1898), der zackige Marsch von Nationalhymnendichter John Philip Sousa, war rauschende Eröffnungsfanfare. Weniger martialisch, dafür gefühlvoll wie bei „Bonnie over the ocean“ folgte „Shenandoah“ (Arrangement Frank Ticheli), Volksweise und liebenswerte Lovestory eines wie „ausgegrenzt“ an Ufern des gewaltigen Mississippi umherziehenden Hausierers, der sich in die Häuptlingstochter Shenendoah, „Stern des Abends“, verliebt. Und von den „Stillen auf dem Meere“ war dann die Rede, sturmerprobten und abgehärteten Seeleuten auf halb maroden Klippern (Roland Barretts „Of Men and the Sea“). Vom Monster „Loch Ness“ und Touristen-Schauern schließlich kündeten Sound, Akkorde und virtuose Passagen in Johan de Meijs Bravourstück.
Packend wie sensibel „malten“ Holz- und Blechbläser, Perkussion und tiefer Streichersound das rasch wechselnde Ambiente von Strom, Ozean und geheimnisvoller Seenlandschaft. Herausragend die solistischen Leistungen, etwa von Oliver Schmidt (Klarinette), ansprechend die gekonnte und charmante Ansage der jungen Oboistin Lena Wagner.
Zwei sagenhafte Überraschungen aber setzten das i-Tüpfelchen des Events: in der farbigen „Noah‘s Ark“ (Bert Appermont) und der grandiosen musikalisch-rezitativischen Nachbildung „Ahab“ (Stephen Melillo) nach Melvilles Weltklassiker „Moby Dick“ rückten Klangkörper und Wortkunst zusammen. Eine bewundernswerte und aufrüttelnde Klasseleistung präsentierte Rainer Furch als Gast, vielseitig engagierter Künstler und Ensemblemitglied des Pfalztheaters. Dank hervorragender Gestaltungskraft gelang ihm eine eindrucksvolle Demonstration nahtlos sich mit Musik zusammenfindender Sprachgewalt. „Seinen“ mit Element und „weißem Wal“ fatal und „dämonisch“ ringenden Captain Ahab beeindruckte und wird so leicht niemand vergessen.
Blendend umgesetzt war insgesamt die künstlerische Deutung dieses Projekts: „Lauter Wasser…“.

