Schöpfung eint die Musikwelten
10.05.2010 - IDAR-OBERSTEIN
Von Nikolaus Furch
KULTURSOMMER Experiment mit Klassik und Rock bestens gelungen
Zur Eröffnung der Idar-Obersteiner „Veranstaltungen rheinland-pfälzischer Kultursommer“ wurde im Stadttheater ein spannendes und wohl einzigartiges Projekt präsentiert. Dargestellt wurde - gleichsam als grenzüberschreitendes Spektakel - die Schöpfungsgeschichte, so wie sie vor allem Joseph Haydn in seinem berühmten Oratorium in klassischer Schönheit gestaltete. Dahinein mischten sich nicht weniger kreative Klänge einer Rockband, die dafür umso satt progressivmetallischer verlauteten.
Nach Themenvorgabe „Über Grenzen“ (laut Kultursommer) prallten also zwei Welten aufeinander: die oft idealisierte der goldenen klassischen Zeit und die unvermittelt härtere gegenwartsnähere der Rockmusik.
Dass das Unternehmen zum unvergesslichen Erlebnis wurde, lag tatsächlich an über Grenzen glückender Begegnung: das Thema selber - „Schöpfung“ - wirkte als einigendes Band. Die einfallsreiche und humorvolle Videoproduktion (Karl-Heinz Christmann) trug zum globalen Event ebenfalls Verblüffendes bei.
Die Wirkung von Haydns Oratorienkunst aber steigerte sich an diesem Abend zur urtümlichen Ausdruckskraft - dies vor allem dank Roland Lißmanns souveräner musikalischer und Projekt-Leitung. Der bekannt innovativfreudige Kreiskantor hatte seinen Chor - die begeisterungsfähige Kantorei des Evangelischen Kirchenkreises Obere Nahe - auf den Punkt eingestimmt. Umso eindrücklicher noch konnte da die Solistenriege - Ursula Thies (Sopran), Markus Flaig (Bass), Andreas Weller (Tenor) - ihr jeweils bewundernswertes individuelles wie hochkarätiges Format ausfüllen.
Und da gab es an diesem Abend eine absolute Trumpfkarte: das Barockorchester L´arpa festante mit Konzertmeister und Leiter Christoph Hesse. Was diese so selbstverständlich inspiriert begleitenden Musiker auszeichnet, ist nebst manchem Anderen der traumwandlerische Klangsinn bis hin zur nebensächlichsten Taktspanne.
Mit der Schöpfung, genauer mit dem unlösbar verbundenen Thema gerade des menschlichen Werdegangs, setzte sich im parallelen Kontext, wenn auch in anderer Weise die immer erfolgreichere Rockband Vanden Plas auseinander. Mit eigenem Kreativpotential schien sie das insgesamt ja bisweilen als allzu geglättet und schön empfundene klassische Muster stimulieren und aufrauen zu wollen. Frontman und Sängerass Andy Kuntz begleitete denn auch das traditionsgesättigte Oratorium mit seiner eigenen Spurensuche, expressiv in Dynamik, verinnerlicht in Klanggebärde. Ganz herrlich seine tollen Duetteinlagen mit Sopranistin Ursula Thies, dem Multi-Talent in Klassik und Rock. Kuntz und Mitstreiter - der kongeniale Komponist und Keyboarder Günther Werno, Gitarrenass Stefan Lill, Soundvirtuose Torsten Reichert am Bass und Takt- und Trommelschläger (für Kuntz und Haydn !) Andreas Lill - hören nebenbei voll andächtig zu bei Altmeister Papa Haydn. Die Kunst hat ein großes Herz, hat eben selber zu tun mit je und je - neuer Schöpfung. Der voll besetzte Saal tobte.

