Von Thorsten Richter
Region Simmern gilt als Beispiel für Integration
KREIS RHEIN-HUNSRÜCK Die Integration von Bürgern mit Migrationshintergrund ist in wenigen Gebieten Deutschlands seit Jahren ein so großes Thema wie in der Region um Simmern auf dem Hunsrück.
Dass sich mit dem Thema Integration die Expertentagung "LandWärts" des bundesweiten Netzwerks "Integration durch Qualifizierung" (IQ) in der Landespolizeischule auf dem Flughafen Hahn auseinandersetzte, war also kein Zufall. Der Rhein-Hunsrück-Kreis, in den in den 90er-Jahren in kurzer Zeit rund 16 000 Aussiedler strömten, gilt unter Fachleuten inzwischen als wertvolles Beispiel dafür, wie Integration von Migranten gelingen kann. Ein wichtiger Begriff ist dabei "Netzwerk". Vor allem im lokalen Bereich müssen Vernetzungen vorhanden sein und dazu auch über die Grenzen von Zuständigkeiten und Ressorts hinausgehen, so ein Fazit der Fachleute. Auch die Qualifikation der Migranten muss, lösgelöst von den in Deutschland geltenden Mustern, besser erfasst werden, fanden die Experten. Viele Aus- und Umsiedler hätten nämlich das Problem, zwar jahrelang gearbeitet zu haben, doch ihr Beruf existiere in dieser Form hier nicht wie in ihrem Heimatland. Das alles ist aber auch eine Frage des Geldes. Im Hinblick auf die künftige Förderungspolitik der Bundesanstalt für Arbeit betonte deren Vorstandsmitglied Heinrich Alt: "Für erfolgreiche Integrationsarbeit braucht man Partner, die in der Region verankert sind, man darf da nicht nach dem billigsten Angebot von Trägern schielen, die keine Ahnung von den lokalen Gegebenheiten haben." Beispielhaft wurde bei der Zusammenkunft die Situation im rheinland-pfälzischen Rhein-Hunsrück-Kreis beleuchtet. Die Region hatte in den 90er-Jahren den Zuzug von rund 16 000 Aussiedlern vor allem aus der ehemaligen Sowjetunion zu bewältigen. Innerhalb weniger Jahre stieg ihr Bevölkerungsanteil im Landkreis auf rund 15 Prozent - als Folge des Truppenabzugs der US-Streitkräfte von Militärflughafen Hahn. "Wir waren mit der neuen Situation zunächst völlig überfordert", erinnert sich Bertram Fleck, der Landrat des Kreises. Da viele Aussiedler nach dem Auslaufen der vom Bund finanzierten Eingliederungshilfe arbeitslos waren, geriet der Kreis bald in eine dramatische finanzielle Situation. Als kommunaler Träger musste er für die Sozialhilfe der Aussiedler aufkommen. Eine Mehrbelastung, die den Kreishaushalt eng einschnürte. Neue Methoden für den Arbeitsmarkt wurden gesucht und gefunden: In der Arbeitsvermittlung, etwa die Arbeit von "Profil-Werkstätten", erwiesen sich als außerordentlich erfolgreich. Das ist mittlerweile auch an Fakten abzulesen. Heute gehört der Landkreis Rhein-Hunsrück mit einer Arbeitslosenquote von 4,7 Prozent zu den strukturstärksten ländlichen Räumen in Rheinland-Pfalz. "Die Aussiedler waren gerade für unsere vielen kleinen mittelständischen Betriebe ein großer Wachstumsmotor", beschreibt Fleck die positiven Effekte des Zuzugs. Dazu trägt auch der Flugplatz Hahn mit seiner Erfolgsstory bei. Zum Netzwerk Das Netzwerk "Integration durch Qualifizierung" (IQ) ist ein bundesweiter und seit 2005 vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales finanzierter Zusammenschluss von Institutionen und Personen, die in der Arbeit mit Migranten tätig sind. Infos über die Arbeit des IQ unter www.intqua.de

