Regenerative Energie - aber nicht um jeden Preis
07.09.2010 - KREIS BAD KREUZNACH
Von Wilhelm Meyer
ENERGIEPOLITIK Landkreis soll kohlendioxyd-neutral werden
Der Landkreis Bad Kreuznach soll kohlendioxyd-neutral werden. Das ist das Ergebnis einer Arbeitsgruppe der Kreistagsfraktionen von CDU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen, die sich mit der Energiepolitik im Landkreis beschäftigt hat. Der „energiepolitische Beschluss“ liegt für 2010 bis 2014 vor. Zur Vorstellung ihrer Konzepte hatten die Fraktionsvorsitzenden Ralf Hippert (CDU), Thomas Bursian (FDP) und Ludger Nuphaus (Bündnis 90/Die Grünen) die Bannmühle in Odernheim gewählt. Mit seiner konsequenten Energiegewinnung aus Wasserkraft und Photovoltaik ist der Biolandhof von Hans Pfeffer in Odernheim schon jetzt Vorzeigeprojekt im Sinne des Beschlusses.
Vor allem die Kreisbeigeordnete Gerlinde Huppert-Pilarski (Bündnis 90/Die Grünen) machte bei der Vorstellung deutlich, dass der Beschluss keineswegs aus einer Position der Stärke gefasst worden sei. Der Kreis Bad Kreuznach befände sich hinsichtlich der Erzeugung regenerativer Energien an Platz 17 der 24 rheinland-pfälzischen Landkreise.
Nicht um jeden Preis wollen die Fraktionen die Gewinnung regenerativer Energien voranbringen. So will man ausdrücklich verhindern, dass für die Photovoltaik landwirtschaftlich genutzte oder nicht definierte Brachflächen verbraucht werden. In Betracht kämen Konversionsflächen, ehemalige Deponien oder sonst nicht nutzbare Flächen. Windkraft wird zwar ausdrücklich als wirksamste Maßnahme zur Erhöhung des Anteils regenerativer Energien in der Stromerzeugung genannt, soll jedoch „kontrolliert auf einzelnen bewerteten, im Regionalen Raumordnungsplan festgeschriebenen Flächen“ erfolgen.
An einen Ausbau der Wasserkraft ist nicht gedacht. 32 Anlagen werden derzeit im Kreis betrieben. Prüfen will man jedoch, welche der sechs derzeit, trotz vorliegender wasserrechtlicher Genehmigung nicht in Betrieb befindlichen Anlagen, nutzbar gemacht werden könnten. „Die Erzeugung von Biogas aus Nahrungsmittelpflanzen ist nicht gewollt“, heißt es eindeutig. Man setzt hier vor allem auf die schon bewährte Erzeugung von Biogas aus organischen Abfällen und eine Optimierung der energetischen Nutzung von Holz durch ein regionales Netzwerk. Offen zeigt sich das Papier auch für die Nutzung von Tiefengeothermie.
Zweites Standbein des Planes ist neben einer effizienteren Wärmeerzeugung vor allem deren effizientere Nutzung, bzw. Einsparung. Energieeffizienz soll als Kriterium bei öffentlichen Anschaffungen stärkere Beachtung finden. Dringend notwendig bei Erhöhung des regenerativen Energieanteils sei die Entwicklung „intelligenter Netze“ (Smart Grids). Hier sollte der Landkreis Bad Kreuznach nach der Vorstellung des Arbeitskreises zur Modellregion werden.
Ziel ist die Errichtung eines Energiekompetenzzentrums, das Nachfrager und Anbieter zusammenführen sollte. „Neben der Aufgabe einer Informations- und Beratungsbörse“, heißt es im Papier, „könnte dieses Zentrum auch Weiterbildungsfunktionen für das örtliche Handwerk übernehmen.“ Mit Kreishandwerksmeister Jürgen Günster als Mitglied der Arbeitsgruppe ist zugleich ein enger Kontakt gegeben. Eine Anbindung an die Handwerkskammer läge, so Prof. Dr. Hans-Georg Kämpf, nahe. Kämpf, der in an der FH Bingen den Studiengang Umweltschutz mit aufgebaut hat, ist Mitinitiator und Mitgründer der Energiedienstleistungsgesellschaft des Landkreises Mainz-Bingen (EDG). Kämpf wies jedoch auch auf die Zähigkeit solcher Prozesse hin. Bedarf bestehe aber. So sei der Energieberater des Kreises bestens ausgebucht. Andere Kreise zeigten auch hier ein weitaus größeres Engagement. So stünden den Menschen im Landkreis Kaiserslautern fünf Energieberater zur Verfügung. Ein Energiekompetenzzentrum könnte diese Aufgaben in einer Hand bündeln.

