Die Feuerwehr steht auf dem Prüfstand
02.09.2010 - KREIS BAD KREUZNACH
Von Beate Vogt-Gladigau
PODIUMSDISKUSSION Kreisverband denkt über Neustrukturierung nach / Ist Arbeit mit Ehrenamtlern leistbar?
Kann die Feuerwehr ihre Arbeit mit ausschließlich Ehrenamtlern noch leisten? Diese Frage stellen der Kreisfeuerwehrverband um Vorsitzenden Norbert Jung und Kreisfeuerwehrinspekteur Werner Hofmann am Freitag, 19. November, um 19 Uhr in der Bockenauer Schweiz-Halle.
Auf dem Podium sitzen dann auch Innenminister Karl Peter Bruch, die Bundestagsabgeordneten Julia Klöckner (CDU) und Fritz Rudolf Körper (SPD) sowie Landesfeuerwehrinspekteur Hans Peter Plattner, Markus Lüttger als Kreisgruppenvorsitzender des Gemeinde- und Städtebundes und Carsten Pörksen (SPD) vom Innen-Ausschuss des Landes. Moderieren wird Rolf Hasselhorst. Der Leiter der Berufsfeuerwehr der BASF in Ludwigshafen sei dafür prädestiniert und wisse auch, was von kleinen Wehren gefordert ist, unterstreicht Jung.
Jung und Hofmann sind sich bewusst, dass sie bei der Fragestellung „Ist das Ehrenamt ,Feuerwehr’ noch leistbar?“ nicht nur Freude auslösen, und sie wissen: „Wir stoßen eine Welle an“, die von Kreuznach aus auf den Rest von Rheinland-Pfalz schwappen dürfte.
„Wir wollen das Ehrenamt Feuerwehr nicht schlecht reden“, betont Hofmann bei einem Pressegespräch. „Dafür mache ich und machen 2 700 Feuerwehrleute im Landkreis ihre Arbeit viel zu gerne.“ Aber es sei an der Zeit, gewisse Dinge auf den Prüfstand zu stellen. Sind Struktur und Organisation noch aktuell und gehen sie mit den Herausforderungen konform? Die Zeit zu fragen, sei jetzt gekommen. Jeder wirtschaftliche Betrieb habe sich in den vergangenen Jahren neu organisiert. Nur die Feuerwehr nicht.
Auch die Debatte über die Kernaufgaben der Freiwilligen Feuerwehr müsse angestoßen werden. Gehört die Beseitigung der Ölspur dazu, muss die Katze vom Baum geholt werden und der auf die Fahrbahn gestürzte Baum entfernt werden? Und das alles angesichts zurückgehenden „Personals“, zunehmender Aufgaben wie die Umrüstung auf Digitalfunk und Verwaltungstätigkeit „ohne Ende“.
Dem Kreisvorstand und dem KFI gehe es keineswegs darum, ihre Arbeit in Frage zu stellen, sondern sie müsse vereinfacht werden, alte Strukturen müssen aufgebrochen werden und neue Gedanken das Ehrenamt zukunfts- und realitätsorientiert reformieren. Dies wird allerdings ein Prozess sein, der sich über die kommenden fünf bis zehn Jahre erstreckt. Dazu erhoffen sich der Vorstand des Kreisfeuerwehrverbandes, der die Interessen aller Feuerwehreinheiten im Kreis vertritt, und Hofmann bei der Diskussion in Bockenau Lösungsansätze für die verschiedenen Aspekte.
Muss jede Einheit einen Gerätewart haben, der die Pressluftatmer, deren Technik immer weiter fortschreitet, überprüft und den damit verbundenen bürokratischen Aufwand leisten - jeder für sich? Sinnvoller wäre es, diese Position im Verbund mit Verbandsgemeinden und Städten zu zentralisieren und hauptamtlich zu besetzen. Dadurch könnten zwei Probleme gelöst werden: Die Prüftätigkeiten, einschließlich Ausmusterung nach Verfallsdatum, wären effektiver gestaltet, und die funktionalen Tätigkeiten der Ehrenamtlichen auf den Feuerwehrstützpunkten würden entlastet, „wenn die administrativen Aufgaben auf der hauptamtlichen Schiene laufen“, so Schriftführer Helmut Hübner. Er nimmt in diesem Fall die Verwaltung generell in die Pflicht. Dann würden auch im ehrenamtlichen Bereich Ressourcen frei werden - und die Arbeit in der Feuerwehr wieder attraktiver. Falls der dann hauptamtliche Gerätewart noch Potenzial frei hat, könnte er in der Verwaltung arbeiten. Und: Die Führungsstruktur müsse geändert werden. Ebenen wie Kreisfeuerwehrinspektor, Wehrleiter, eventuell auch Wehrführer müssten auf Grund der Anforderungen hauptamtlich besetzt werden.
Auch der Weg zum Feuerwehrmann ist zu steinig und durch gesetzliche Zwänge belastet. Über 30 Samstage werden für dieses Ziel investiert. Was ist wirklich nötig, oder kann die Ausbildung gestaffelt und anders zeitlich geregelt werden? Herausforderungen wie Radioaktivität oder Gentechnik müssten im Vergleich zu früher berücksichtigt werden. Die Überlastung durch Mehrfachfunktionen schlage sich aber auch auf die Gesundheit der Wehrleute nieder. Die Hälfte von ihnen erhalte bei der amtsärztlichen Untersuchung keine Freigabe für Atemschutzübungen.

