Viele Fragen noch nicht geklärt
31.08.2010 - KREIS BAD KREUZNACH
Von Daniela Elsässer
JUGENDAMT Kreistag will Überlastung der Mitarbeiter in Sondersitzung thematisieren
Drei neue Mitarbeiter sollen das Kreisjugendamt verstärken - dass forderte Die Linke gestern mit ihrem Antrag im Kreisausschuss. Der Hintergrund: Im Juli dieses Jahres hatten die Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialdienst (ASD) aufgrund ihrer hohen Arbeitsbelastung eine Überlastungsanzeige gestellt. Im Kreisjugendhilfeausschuss hatte Amtsleiter Gerhard Dick die Situation erläutert und der Ausschuss darauf hin beschlossen, dass sich der Kreisausschuss und der Kreistag noch vor der nächsten Haushaltssitzung mit der Problematik befassen sollen. Zunächst waren die Mitglieder des Kreisausschusses jetzt gegen den Antrag der Linken, denn es gibt noch viel Klärungsbedarf. Auch nach den Ausführungen des Jugendamtsleiters gestern im Ausschuss, waren noch noch nicht alle Fragen beantwortet.
„Die Fallbelastung ist von 2007 bis 2008 um 31,6 Prozent gestiegen“, machte Gerhard Dick deutlich. (Durchschnitt der Landkreise Rheinland-Pfalz: - 1,2 Prozent.) Die Tätigkeiten der ASD-Mitarbeiter im Bereich des Kindesschutzes hätten erheblich zugenommen, heißt es in der Beschlussvorlage des Ausschusses. Die Welle an Meldungen zur Vernachlässigung und zum Missbrauch von Kindern habe im ersten Halbjahr des Jahres zu 50 Hinweisen auf Kindeswohlgefährdung geführt. Diese Fälle zu prüfen „ist ein hoher Aufwand, der viel Personal bindet“, betont Gerhard Dick. „Die Mitarbeiter können ihre Ursprungsaufgaben nicht mehr wahrnehmen“. Darüber hinaus nehme die Anzahl von Problemlagen in Familien zu, die familiäre Struktur verändere sich und die Bereitschaft, Hilfe anzunehmen steige, nennt der Leiter des Jugendamtes weitere Gründe für die Mehrbelastung seiner Mitarbeiter.
Dabei habe das Jugendamt, so die Beschlussvorlage, bisher immer versucht, vor allem präventiv zu wirken. So hätten viele kostenrelevante Hilfemaßnahmen verhindert werden können. Ein Grund, „warum die Ausgaben unseres Jugendamtes unter dem Durchschnitt der Landkreisjugendämter liegen“, erklärt Dick. „Würden wir uns an den Durchschnitt halten, würde es pro Jahr 2,7 Millionen Euro mehr kosten.“
„Wir haben in den vergangenen Jahren wenig Geld ausgegeben“, erklärt Günter Kistner, Vorsitzender des Kreisjugendhilfeausschusses. „Jetzt laufen aber in einige Bereichen die Zahlen aus dem Ruder, die Mitarbeiter machen deutlich, dass sie ihre Arbeit nicht mehr erledigt bekommen“, betont er.
„Ich habe Verständnis für die Mitarbeiter, aber ich bin durch die Zahlen jetzt nicht schlauer als vorher“, bemerkte Thomas Bursian (FDP) im Anschluss an die Ausführungen. Ludger Nuphaus (Grüne) stellte ebenfalls fest: „Der Bericht hat mich nicht überzeugt, mit fehlen weitere Informationen.“ „Wie viele Überstunden fallen für die Mitarbeiter denn im Jahr an?“, wollte Markus Lüttger (CDU) wissen. „Kann man ambulante Hilfen zur Entlastung noch häufiger an freie Träger vergeben?“, dafür interessierte sich Rolf Ebbeke (CDU).
Einig waren sich die Ausschussmitglieder jedoch darin, dass in einer außerordentlichen Kreistagssitzung nach den Herbstferien die Problematik und offene Fragen besprochen werden sollen. „Eine Sondersitzung ist wichtig, sonst geht das Thema in den Haushaltsberatungen wieder unter“, bemerkte Carsten Pörksen (SPD). Vorher wird sich der Kreisjungendhilfeausschuss erneut mit dem Thema befassen und konkrete Lösungsvorschläge erarbeiten.

