Früh trinken verstärkt Suchtgefahr
26.05.2010 - KREIS BAD KREUZNACH
Von Christine Jäckel
PRÄVENTION Gesundheitsamtsleiter Lichtenberg warnt vor Alkoholkonsum bei Jugendlichen
Wo liegen die Gefahren, wenn Jugendliche zu früh zuviel Alkohol trinken, das fragte die AZ Dr. Ernst-Dieter Lichtenberg, Leiter des Gesundheitsamtes Bad Kreuznach.
Alkohol ist für Jugendliche ein Problem, da sich das Gehirn nach neueren Ergebnissen der Forschung im Alter von 14 bis 19 Jahren in einer Umbauphase befindet, erläutert Dr. Lichtenberg. Mit Beginn der Pubertät werden bestimmte Strukturen im Gehirn angepasst. Damit ist sozusagen „wegen Umbau geschlossen“, das heißt, die Jugendlichen sind rational schwer zu erreichen und es ist notwendig, selbst banale Dinge zu erklären. So hat man beispielsweise eine Testreihe mit Zehnjährigen und mit 14-Jährigen durchgeführt, bei der es darum ging, Gesichter zu deuten. Eine Aufgabe, die den Jüngeren keine Schwierigkeiten bereitete, während die Gruppe der 14-Jährigen sie nicht lösen konnte. Wer in diesem Alter lernt, mit Alkohol Hemmungen zu verlieren, hat ein höheres Risiko suchtkrank zu werden, ergänzt Dr. Lichtenberg.
Im Jugendschutzgesetz ist genau festgelegt, ab welchem Alter was konsumiert werden darf. So ist der Konsum von alkoholischen Getränken für Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren generell verboten, in der Öffentlichkeit ist Alkoholgenuss bis 16 Jahre verboten. Ab 16 ist der Konsum von Bier, Wein und Sekt erlaubt, nicht aber der Erwerb von Schnaps oder so genannten Alkopops. Diese Vorschriften seien nicht allen Eltern bekannt, so Lichtenberg. Der Alkoholgehalt von Alkopops ist von Marke zu Marke verschieden, im Schnitt liegt er bei fünf bis sechs Volumenprozent, was einem höheren Alkoholgehalt entspricht als zwei klaren Schnäpsen. Der Großteil der Alkopops ist den branntweinhaltigen Getränken zugeordnet, die an Jugendliche unter 18 Jahren nicht verkauft werden dürfen.
Wie fatal Fehleinschätzungen und Ausfälle durch übermäßigen Alkoholkonsum sich auswirken könne, habe man im vergangenen Jahr im Fall des 18-Jährigen erlebt, der mit zwei Promille im Blut von einem Zug erfasst wurde, erinnert Dr. Lichtenberg.
Ein weiteres Risiko ist, dass die Wirkung auch davon abhängt, wie schnell und wie viel getrunken wird. Da Alkohol das Immunsystem unterdrückt, kann es eher zu einem unbeabsichtigten Vollrausch kommen. Das ist insbesondere bei den Alkopops zu berücksichtigen, da die süß schmeckenden Getränke Jugendliche dazu verleiten, schneller und mehr zu trinken als gewollt. Um einen Ausfall des Atemsystems herbeizuführen, muss man schon mindestens einen Blutalkoholwert von 1,5 Promille erreichen. Bei 0,5 bis 1 Promille macht sich dagegen Alkoholkonsum im sozialen Verhalten relativ früh bemerkbar, bei manchen etwa mit unkontrollierten Aggressionen. Nach Ansicht von Dr. Lichtenberg sollte man beim Thema Jugend und Alkohol noch mehr auf Aufklärung von Eltern und Kinder setzen.

