„Wichtiger Baustein für Standort“
21.08.2010 - KIRN
Von Michael Schuf
BBS KIRN Schulleiter Heinz Andreas setzt auf Kooperation mit Schulen in der Region / Neue Duale BOS angelaufen
„Ich sehe die Zukunft in der Kooperation in der Region“, macht der neue Schulleiter der Berufsbildenden Schule Kirn, Studiendirektor Heinz Andreas, im Gespräch mit der AZ deutlich auf die Frage, wie er sich die kurz- und mittelfristige Zukunft „seiner“ neuen Schule vorstellt.
Andreas ist Diplom-Handelslehrer, seine Fächer sind BWL und Sozialkunde. Bislang war er stellvertretender Leiter der BBS in Bingen, wo er auch seit über 30 Jahren lebt. Außerdem müsse man schauen, inwieweit an der Kirner BBS auch junge Menschen unterrichtet werden können, die bislang an anderen Standorten beschult werden. Beispielsweise Bürokaufleute, überlegt Heinz Andreas.
Stichwort Synergieeffekte: „Man müsse die Schülerzahlen im gesamten Bezirk betrachten und parallel dazu die entsprechenden Schülerbewegungen, etwa nach Idar-Oberstein oder Bad Kreuznach. Es gelte, „intelligente Lösungen“ zu suchen. Gleichzeitig, so Andreas, sei durch die Schaffung neuer Berufsbilder ein Abschmelzen der Zahlen zulasten klassischer Berufsbilder - wie etwa Bürokaufleute - festzustellen. Sein Ansatz: „Wir müssen in der Region nachdenken, wie wir Synergien gewinnen und wie wir zusammenarbeiten können. Allerdings: Es darf keine Verlierer geben.“
Für den neuen Kirner Schulleiter steht aber auch fest, dass die zunehmende Zersplitterung, will heißen Differenzierung, gerade den kleinen Berufsschulen zu schaffen macht. Je mehr Berufe es gebe, desto mehr konzentriere sich die Ausbildung auf die großen Städte. Dabei denkt Andreas beispielsweise an neu geschaffene Berufsbilder wie Kaufmann für Dialogmarketing, Fitness-Kaufmann oder Speiseeishersteller. Da sei es schon ein Glücksfall, meint Andreas, dass die Automobilkaufleute schon seit einige Jahren in Kirn ausgebildet werden.
Ein denkbarer Ansatz könnte sein, meint Heinz Andreas, die Beschulung auf wenige Berufsfelder zu reduzieren und zumindest in der Grundstufe zentral zu beschulen. Die Spezialisierung könnte dann erst später erfolgen.
Mit den aktuellen Schülerzahlen zeigen sich Heinz Andreas und Gerhard Barth, Mitglied der Schulleitung, nicht unzufrieden. Den leichten Rückgang bei der Berufsfachschule I, also im Vollzeitbereich, führt Barth auf den demografischen Wandel zurück. Die Zahl der Berufsschüler hingegen ist nach seinen Worten stabil. Als „Stützpfeiler“ bezeichnet er die 130 Anlagenmechaniker und die 120 Industriemechaniker.
Im Einzelnen ergibt sich laut Gerhard Barth zum Schuljahresbeginn folgendes Bild: 100 Schüler besuchen die Höhere Berufsfachschule, kurz HBF. Es gibt jeweils zwei Klassen (Unter- und Oberstufe) in Fremdsprachen (Spanisch) und Bürokommunikation sowie in Rechnungslegung und Controlling. Die Berufsfachschule BF I und BF II besuchen 80 Schüler. Im Vollzeitbereich gibt es außerdem das Berufsvorbereitungsjahr, das in der Hauswirtschaft beziehungsweise im ge-werblich-technischen Bereich 30 Schüler besuchen.
Hinzu kommen um die 400 Berufsschüler. Barth geht davon aus, dass es im Laufe des Herbstes hier noch Zugänge gibt. Stolz sind er und der neue Schulleiter auf die neue Duale Berufsoberschule (BOS), die zur allgemeinen Fachhochschulreife führt und am Dienstag vergangener Woche mit 34 Schülern gestartet ist. Der Unterricht finde zwei Jahre lang an je zwei Abenden die Woche statt.
„Meine Erfahrung aus Bingen ist, dass es sich um recht motivierte Leute handelt“, sagt Heinz Andreas. Schließlich hätten die Schüler schon einen Arbeitstag hinter sich, bevor sie abends die Schulbank drückten. Die Duale BOS ist in den Augen von Heinz Andres ein „wichtiger Baustein für den Standort“ - und die FH-Reife für viele Berufe wesentliche Voraussetzung, will heißen das Vorankommen auf der Karriereleiter.
Insgesamt gibt es an der BBS Kirn derzeit zehn Vollzeit- und 24-Teilzeitklassen.
Übrigens: Der Tag der offenen Schule ist für 5. Februar nächsten Jahres terminiert.

