Karachi-Gruppe Kirn besucht Dr. Ruth Pfau bei Aufenthalt in Andernach
25.01.2012 - ANDERNACH/KIRN
(red). Am kommenden Wochenende steht der Welt-Lepratag auf dem Terminplan. In Kirn engagieren sich die Mitglieder der Karachi-Gruppe seit Jahrzehnten im von Dr. Ruth Pfau getragenen Kampf gegen die Krankheit Lepra.
Einige Mitglieder der Kirner Karachi-Gruppe haben die Gelegenheit gehabt, die in Pakistan arbeitende Lepraärztin Dr. Ruth Pfau in Andernach zu treffen. Die Lepraärztin war eigentlich für einige private Termine zu Besuch in Deutschland, ließ sich jedoch auch Begegnungen mit in der Lepra-Hilfe Engagierten nicht entgehen. Viele der Ehrenamtlichen im Kampf gegen Lepra waren gekommen, um den Berichten von Ruth Pfau erst in der Kirche und danach im Pfarrsaal in Andernach zuzuhören. Den Gottesdienst hielt Pater Franziskus Berzdorf aus dem Kloster Maria Laach, der vielen Kirnern durch den jährlichen Lepra-Gottesdienst bekannt ist.
Begleitet wurde Dr. Ruth Pfau von Schwester Almas, die ebenfalls schon einmal in Kirn dabei war. Außerdem an ihrer Seite befanden sich Claudia Villani, eine enge Vertraute der Ärztin, die seit drei Jahren mit ihr zusammenarbeitet, sowie Regina Jung, eine der Schwestern Ruth Pfaus.
„Nachdem wir schon zeitig in Andernach ankamen, halfen wir den Eheleuten Braukmann, bei denen Ruth Pfau und noch einige andere Gäste übernachteten, den Pfarrsaal herzurichten“, berichtet Esther Möhler. Die Mitglieder der Karachi-Gruppe Kirn hatten Kuchen mitgebracht, zudem gab es Getränke, die gegen eine Spende für die Lepra-Hilfe erworben werden konnten. Außerdem konnten die Teilnehmer Handarbeiten aus Pakistan erwerben.
Schwierige politische Lage in Pakistan
Im Gottesdienst erzählte Dr. Ruth Pfau dann von der Situation in Pakistan. Sie sprach von der schwierigen politischen Lage und schilderte einige Vorfälle in Zusammenhang mit ihrer Arbeit im Kampf gegen die Ausbreitung von Lepra. „Besonders in Erinnerung bleibt dabei wohl das Schicksal des Ehemannes der Physiotherapeutin Kulsoom des Marie-Adelaide-Leprosy-Centre, dem Lepra-Krankenhaus, das Ruth Pfau 1963 mitbegründet hat“, sagt Esther Möhler. Muhammed Jan war im Bus unterwegs, als das Fahrzeug von Sunniten angehalten wurde. Alle Insassen mussten aussteigen und wurden nach Glaubensrichtung sortiert - in Sunniten und Schiiten, die in Pakistan eine Minderheit bilden. Während die Sunniten wieder einsteigen und weiterfahren durften, wurden die 17 Schiiten in einer Reihe aufgestellt und hingerichtet. Unter ihnen auch Muhammed, der seine Frau - die beiden waren noch jung verheiratet - und eine dreijährige Tochter hinterlässt.
„Kulsoom kann nicht zurück zu ihrer Familie, da sie ihre Tochter dann nicht mitnehmen dürfte, daher werden sich die Mitarbeiter von Dr. Pfau um sie kümmern“, berichtet Möhler. Diese Tat habe auch Spuren bei den Angestellten des Krankenhauses hinterlassen, und man merkte Dr. Ruth Pfau während ihres Berichts deutlich an, wie sehr sie das Schicksal ihrer Mitarbeiter und Familien mitnimmt.
„Für diese unglaublichen Taten sind kaum Worte zu finden und es fällt noch schwerer, das Gesagte mental umzusetzen, so tief traf mich selbst die Trauer und der Schmerz, während Frau Pfau berichtete“, schildert Esther Möhler. In einem anderen Fall wuste Ruth Pfau davon zu berichten, wie ein junger Mann gekidnappt wurde und aus einer Folterzelle fliehen durfte, weil die Wärter feststellten, dass er Christ war und kein Moslem.
„Frau Dr. Ruth Pfau ist eine außergewöhnliche, warmherzige, starke und sehr mütterliche Frau, die in ihrer Arbeit aufgeht und den Mensch in den Mittelpunkt stellt“, berichtet Möhler über Pfaus Engagement für die Lepra-Bekämpfung in Pakistan..

