Zugvögel contra Öko-Strom
03.09.2010 - VG WÖRRSTADT
Von Florian Fischer
STREIT Geplante Anlagen in VG Wörrstadt sorgen in Nachbargemeinde für Empörung
Die geplanten Windräder in der Verbandsgemeinde (VG) Wörrstadt sorgen weiter für viel Zündstoff. Besonders in der angrenzenden Gemeinde Sörgenloch schlägt der bisherige Teilflächennutzungsplan für große Wellen. Es geht um eine rund 15 Hektar große Fläche an der Gemarkungsgrenze zur VG Nieder-Olm. Dort könnten nach dem bisherigen Planungsstand einige Windkraftanlagen entstehen.
Conrad: Es geht darum, Rechtssicherheit zu haben
Im Gespräch mit der Allgemeinen Zeitung betonte VG-Bürgermeister Markus Conrad jedoch nochmals, dass die Ausarbeitung des Flächennutzungsplans Windkraft der VG Wörrstadt noch lange nicht abgeschlossen sei. Derzeit werde das gesamte VG-Gebiet nach streng objektiven Kriterien, die auf wissenschaftlichen und gesetzlichen Grundlagen basieren, untersucht. „Das ist der vorgeschriebene Dienstweg, den wir auch unbedingt einhalten, weil es für uns auch immer darum geht, Rechtssicherheit zuhaben“, so Conrad. „Alles andere wäre reine Willkür gewesen. Jetzt kann und soll auf der Grundlage des vorliegenden Entwurfs diskutiert werden“.
Zudem durchlaufe der Flächennutzungsplan ja noch weitere Instanzen. Zunächst geht es in den VG-Rat, dann kommt es zu einer weiteren Offenlegung. Erst dann wird endgültig entschieden. Unabhängig von den derzeit erhitzten Gemütern würden ohnehin noch weitere Gutachten erwartet, durch die unter Umständen bestimmte Flächen gestrichen würden. Warum sollte darunter nicht auch Sörgenloch sein?
Die Empörung in Sörgenloch über den aktuellen Planungsstand ist dennoch groß. In der jüngsten Sitzung lehnte der Sörgenlocher Gemeinderates einstimmig den Standort ab. Ortsbürgermeister Dr. Frieder März (FWG) betonte: „Wir sind nicht gegen Windkraft, wir sind gegen den Standort. Wir als Sörgenlocher müssten das voll ausbaden. Die Planung wird von uns als Affront empfunden.“ Zwei Gründe sprächen besonders gegen den Standort: die Nähe zum Landschaftsschutzgebiet und die Vogelflugroute. Besonders diese sorgt für Verwunderung, machten die Vögel doch auf den vorliegenden Schaubildern einen Bogen um das strittige Gebiet.
Dass Vögel bei ihrer Reise in den Süden nicht nur geradelinig fliegen, sondern auch Kurven zeichnen, ist für Thomas Wolf vom rheinland-pfälzischen Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht jedoch ganz normal. „Vögel folgen bestimmten Korridoren in denen sie durch den Geländeverlauf und die dadurch entstehende Thermik und Windrichtung die meiste Energie sparen“, so der Referent für Artenschutz im Gespräch mit der Allgemeine Zeitung. Danach würde das Gelände entlang des Saulbachs die idealen topografischen Bedingungen für die Vögel bieten und würde daher gezielt angesteuert. „Im Gebiet Rheinhessen-Nahe gibt es viele sogenannter Zugvögel-Verdichtungskorridore. Die entstehen auch durch Weinberge, die die Vögel sozusagen umsteuern“, so Wolf. Die wissenschaftlichen Daten des Landesamts stellen unter anderem die Grundlage für den Flächennutzungsplan.
Um diese und andere Irritationen zu beseitigen, plant die VG Wörrstadt derzeit für Oktober eine öffentliche Informationsveranstaltung. In Sorgenloch verdichten sich derweil die Anzeichen auf die Gründung einer Bürgerinitiative. Ortsbürgermeister Dr. März will auch den Gang vor ein Gericht nicht ausschließen.

