Von Kathrin Damwitz
Saulheimerin hat die Jugendjahre der Edelprostituierten Rosemarie Nitribitt erforscht
SAULHEIM Ein bundesweit Aufsehen erregender Kriminalfall jährt sich zum 50. Mal. Am 1. November 1957 wurde in Frankfurt die Edelprostituierte Rosemarie Nitribitt ermordet aufgefunden. Die Saulheimerin Martina Keiffenheim hat sich mit der Jugend der Nitribitt befasst.
In letzter Zeit hat die Fernsehjournalistin, die für den SWR in Mainz arbeitet und die Kleine Kunstbühne in der Hintergasse betreibt, wegen des Jahrestags verstärkt Anfragen nach ihrem Buch "Edelhure Nitribitt. Die Rosemarie aus Mendig" erhalten. Doch das ist mittlerweile leider vergriffen. Martina Keiffenheim hat darin die Ergebnisse ihrer gründlichen Recherchen zusammen gefasst. Sie gilt als Expertin für die Kinder- und Jugendjahre der vor 50 Jahren Ermordeten, die in schwierigsten Verhältnissen in der Eifel aufwuchs, von Pflegefamilien zu Besserungsanstalten und Heimen weiter gereicht wurde. Rosemarie war für Martina Keiffenheim ein ungeliebtes, "verlorenes Kind", das "keinen Halt hatte", dafür aber einen eisernen Überlebenswillen. In den Wirtschaftswunderjahren bewegten Leben und Sterben des "Mädchens Rosemarie", das als Edelprostituierte mit einem Mercedes SL auf der Suche nach Freiern durch Frankfurt kurvte, die Massen. Bis heute ist nicht geklärt, wer die damals 24-jährige in ihrem Apartment mit einem Nylonstrumpf erdrosselt hat. Leute heute Wie stieß Martina Keiffenheim auf die Nitribitt? Sie sah sich mit ihrem Mann Martin 1996 die TV-Neuverfilmung von Nitribitts Leben an. Martin Keiffenheim stammt aus der Eifel, und die Mutter eines Freundes war die Fürsorgerin, die das Kind Rosemarie betreut hatte. Martina Keiffenheims Interesse war geweckt - und sie hatte ihre erste Zeitzeugin für eine TV-Dokumentation. Nach Fertigstellung der Doku für den SWR 1997 hatte sie so viel Material übrig, dass daraus ihr Buch wurde. "Ich hatte unglaublich viele Zeugenaussagen, unter anderem von einer Nonne, die Rosemarie im Nähen unterrichtet hatte", erzählt Martina Keiffenheim. Die Lehrerin hatte einen guten Eindruck von Rosemarie, sie sei in Haushaltsdingen sehr geschickt gewesen. Aus Aussagen ihrer Schulfreundin konnte Keiffenheim schließen, dass Rosemarie im Unterricht schon mal vorlaut, wenn nicht sogar rotzfrech war. Aber sie sei auch ein sehr liebenswertes Kind gewesen. Dieses Kind geriet allerdings nach einer Vergewaltigung mit elf Jahren immer stärker in einen Strudel aus Ablehnung, ihr haftete ein Makel an, für den sie doch gar nichts konnte. Die Liebe und Zuneigung, nach der sie sich so sehr sehnte, holte sie sich später bei ihren Freiern, darunter mächtige Wirtschaftsbosse der noch jungen Bundesrepublik. In der Eifel traf Martina Keiffenheim bei ihren Nachforschungen übrigens nicht nur auskunftsfreudige Zeitzeugen an. "Vielen war der Werdegang von Rosemarie heute noch peinlich", erzählt die Autorin. Dabei habe sie gar kein Urteil fällen wollen über Rosemarie oder deren Zeitgenossen. Sie habe nur die Erinnerungen gesammelt, die Freunde, Bekannte, Zeitgenossen an sie hatten. Dabei konnte sie sich einen Eindruck davon machen, wie ein Mensch zu dem wird, was er ist. "Heute steht mein Buch in Mendig übrigens auch in der Bibliothek", meint Martina Keiffenheim lächelnd.

