Für Brummi-Verbot und Tempo 30
12.03.2010 - SAULHEIM
Von Karsten Gerber
NORDSPANGE Saulheimer wollen nicht länger auf Umgehung warten/Beifall und Buhrufe bei Bürgerversammlung
Jahrelang aufgestauter Frust brach sich Bahn, es wurde gar der Eindruck erweckt, dass der bis dahin alles ruhig hinnehmende Bürger urplötzlich mündig geworden sei. Als Saulheims Ortsbürgermeister Martin Fölix seine Mitbürger zur Versammlung geladen hatte, um über die Verbesserung der Verkehrssituation in Ober-Saulheim zu informieren, hatte er wohl nicht mit einer solch geladenen Atmosphäre gerechnet, die das vollbesetzte Bürgerhaus vor Beifallsstürmen oder Buhrufen erzittern ließ. Letztendlich war es aber genau das, was die Organisatoren erreichen wollten: die Kommunikation zwischen Bürger, Ortsverwaltung, Kreis und Verbandsgemeinde zu verbessern, um die missliche Verkehrssituation in Saulheim endlich zu verbessern.
"Wir haben einen solchen Zuspruch nicht erwartet, sind aber sehr glücklich, etwas an den Start gebracht und ein Signal gesendet zu haben", bilanzierte ein hoch zufriedener Dennis Kittl, Erster Beigeordneter Saulheims und Moderator der Versammlung. Kittl informierte, dass die Nordspange als Umgehungsstraße zwar beschlossene Sache ist. Unter sarkastischem Gelächter und Rufen wie "Wie lange sollen wir denn noch warten?", musste er allerdings zugestehen, dass es noch Jahre dauern wird, bis der erste Spatenstich gesetzt werde. Daraufhin war man sich schnell einig, dass Saulheim nicht so lange warten könne und wolle.
Die Problematik der durch den Ort rasenden Laster müsse schleunigst gelöst werden, denn "sonst wird es nicht mehr lange dauern, bis wir einen Todesfall zu bedauern haben", gab ein besorgter Bürger zu bedenken. "Wenn die Westspange vollendet ist, werden wir hier nur so von Sattelschleppern überrollt", sagte Horst Mernberger.
Die von der Ortsverwaltung ausgearbeiteten Vorschläge, mit Straßenverengungen und Verkehrsinseln sowohl Lautstärke als auch Geschwindigkeit zu hemmen, wurden binnen kurzem ad acta gelegt. Es wurde schnell deutlich, dass einzig und allein ein reines Lastwagen-Verbot in Kombination mit einer durchgängigen Geschwindigkeitsbegrenzung innerorts auf 30 Stundenkilometer das Problem lösen und die Unfallgefahr auf ein Minimum beschränken könne.
Auf die Frage von Kay Bartmann an den Kreisbeigeordneten Heribert Erbes, warum das Lastwagen-Verbot aus dem Jahr 2002 denn aufgehoben wurde, musste dieser zugestehen, dass die diesbezüglichen Kompetenzen letztendlich beim Ministerium lägen. Es bleibe also allen Beteiligten nichts anderes übrig, als das Begehren Richtung Landeshauptstadt zu leiten - was Mernberger direkt aufgriff: "Wenn das notwendig ist, organisieren wir einen Bus und fahren alle nach Mainz."
Auch Blitzanlagen wurden als Lösung vorgeschlagen, allerdings seien diese Sache der Polizei, sagte Andreas Zmazek von der VG-Ordnungsbehörde. Zudem sei bei fest installierten "Starenkästen" das Problem, dass die Autofahrer kurz vor der Anlage abbremsen und danach wieder Gas geben.
Man brauche außerdem dringend eine erneute Verkehrszählung, waren sich die Saulheimer einig, um dokumentieren zu können, wie hoch tatsächlich das Verkehrsaufkommen sei.

