Von Kathrin Damwitz
Um das Wasserhäuschen am Ortsausgang, genau am frisch gebackenen geografischen “Mittelpunkt Rheinhessens" gelegen, ist ein Streit entbrannt. “Es gibt für Gabsheim genug Gründe, das Wasserhäuschen in seiner Bausubstanz zu erhalten", meint Ratsmitglied Elke Scheiner (SPD). Sie setzt sich für die Bewahrung des rheinhessischen Kulturdenkmals ein. Auf der anderen Seite steht der Beschluss des Gemeinderates, der bei ihrer Gegenstimme die Anhebung des Dachs um 1,50 Meter beschlossen hat. Mittlerweile hat die Denkmalpflegebehörde des Landkreises das Ansinnen der Gemeinde abgelehnt. Nunmehr soll es am Donnerstag, 16. Juli, 15.30 Uhr, einen Ortstermin des Kreisrechtsausschusses am Häuschen geben.
Das Gebäude ist ein eingeschossiger Jugendstil-Typenbau, datiert von 1907, ebenso wie die Gebäude in den Nachbarorten, etwa in Schornsheim. “Für die Region ist die Gesamtheit dieser Wasserhäuschen aus der Jugendstilzeit als ein zu schützendes Kulturerbe-Ensemble einzuordnen, mit dem nicht nur in Gabsheim, sondern in allen betroffenen Ortschaften sorgsam umgegangen werden sollte", meint Elke Scheiner. Eigentum verpflichte, und da die Gemeinde seit kurzem das Häuschen besitze, seien auch die Vorschriften des Landesdenkmalschutzgesetzes einzuhalten. Zumal die Ortschaft ohnehin nur wenige historische Gebäude im Vergleich zu anderen rheinhessischen Dörfern aufweist. Die wenigen müssten deshalb erhalten werden.
Das Ansinnen des Gemeinderates, das Häuschen abzutragen, anzuheben und auf dem Behälter eine Aussichtsplattform mit Außentreppe zu bauen, sei ein “gravierender und die Bausubstanz schädigender Eingriff", urteilt Elke Scheiner.
Auch die Kreisdenkmalpflege lehnt laut Mitarbeiter Volker Biewer die Pläne ab. “Wir haben als Fachstelle aus denkmalpflegerischen Gründen nicht zugestimmt. Das haben wir übrigens mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt", sagte er auf AZ-Anfrage. Es handele sich um ein schwebendes Verfahren.
Ortsbürgermeister Hans-Klaus Michel (CDU) möchte den übergeordneten Behörden “nichts aufzwingen", wie er im Gespräch mit dieser Zeitung betonte.
Allerdings gebe es den mit großer Mehrheit gefassten Ratsbeschluss, und die Bürger befürworteten das Vorhaben ebenfalls, das wisse er aus vielen Gesprächen. “Es haben mich sogar Gabsheimer aufgefordert, Unterschriften für die Erhöhung des Häuschens zu sammeln." Das Gebäude solle nach dem Willen des Rates mit Bruchsteinen um 1,50 Meter erhöht werden, das gleiche Dach wie seither wieder aufgesetzt werden. Den entsprechenden Bauantrag habe die Kreisverwaltung abgelehnt. Nun müsse die öffentliche Sitzung des Kreisrechtsausschusses abgewartet werden, an der die Vertreter der Orts- und der Verbandsgemeinde teilnehmen.

