Wenn ein Wagen entgleist
08.11.2011 - ARMSHEIM
Von Sarah Faber
GROSSÜBUNG THW und freiwillige Feuerwehren der VG Wörrstadt trainieren an der Bahnstrecke in Armsheim
Bahnunglück bei Armsheim in Richtung Bornheim: Ein Wagen ist entgleist, mehrere Verletzte liegen auf dem Bahndamm. Das Wetter ist schlecht, die Feuerwehr verschafft sich mit Leitern sicheren Zugang zu dem rutschigen Abhang neben dem Gleis, während das Technische Hilfswerk einen handbetriebenen Schienenwagen zum Abtransport Schwerverletzter von der schlecht zugänglichen Unfallstelle aufbaut.
Das schlimme Szenario ist zum Glück nur eine Übung des THW und der freiwilligen Feuerwehren der Verbandsgemeinde Wörrstadt. Die Bahnstrecke ist längst stillgelegt, das Wetter sonnig, die Verletzten sind tatsächlich Mitglieder der Jugendfeuerwehr, die bei der Übung helfen. „Es ist wichtig, regelmäßig zu üben“, weiß Thorsten Henning vom THW. „Im Ernstfall muss jeder Handgriff sitzen, da kann man sich keine Fehler leisten.“
Evakuierung an Steillagen Teil des Szenarios
Die Übung am Samstagnachmittag diente vor allem dem Zweck, Tragetechniken für die Evakuierung von Verletzten an Steillagen, wie sie ein Bahndamm darstellt, zu proben, erklärt Thomas Waldmann, der Einsatzleiter. Außerdem sollte auch die in solchen Fällen meist notwendige Zusammenarbeit von THW und Feuerwehr geübt werden. Die beiden Organisationen haben in der Vergangenheit oft erfolgreich Seite an Seite Einsätze bestritten. Es sei eine sehr gute Zusammenarbeit, so Waldmann, bei der man sich gegenseitig ergänze. Auch Frank Orben, der den Übungseinsatz vonseiten des THWs aus überwachte, war zufrieden: „Die Abstimmung und Kommunikation mit der Feuerwehr verlief hervorragend.“
Das THW Wörrstadt war mit 16 Helfern an der Übung beteiligt. Von den 14 freiwilligen Feuerwehren aus der Verbandsgemeinde waren diesmal Armsheim, Wallertheim, Gau-Weinheim und Wörrstadt bei dem Einsatz mit insgesamt 80 Personen vertreten. Im Ernstfall wären natürlich mehr zur Stelle, erklärt Waldmann, und die Rettungsdienste wären vor Ort. Die zehn Mitglieder der Jugendfeuerwehr, die für die Übung die Opfer mimten, lagen um die fiktive Unfallstelle herum im Gebüsch und auf den Gleisen, jeder mit einem Zettel, der beschrieb, welche Verletzungen offensichtlich vorlagen. So warteten sie darauf, von den Einsatzkräften entdeckt und evakuiert zu werden. Auch die etwas versteckter positionierten Opfer wurden alle sehr schnell gefunden.
Zur Unglückssimulation gehörte jedoch nicht nur der Einsatz an der stillgelegten Bahnstrecke, sondern auch das Durchplanen aller weiteren nötigen Maßnahmen. So wurde etwa als fiktive Sammelstelle für die geborgenen Personen die Wiesbachtalhalle in Armsheim festgelegt, wo im Ernstfall Notfallseelsorger die Opfer des Unglücks und deren Angehörige betreuen würden. Der Fokus der Übung sei dennoch ein wenig anders als bei einem tatsächlichen Einsatz, erklärt Peter Ritzinger von der Freiwilligen Feuerwehr Armsheim. Während es beim echten Notfall natürlich sehr auf Schnelligkeit ankomme, sei bei der Übung weniger das Tempo entscheidend, sondern mehr das Einüben der richtigen Verhaltensweisen und Techniken sowie der reibungslosen Kommunikation. Was man bei der Feuerwehr lerne, sei auch im Privatleben hilfreich, sagt Marc (16), der inzwischen seit sechs Jahren bei der Jugendfeuerwehr ist und für den die Übung schon fast zur Routine gehörte. Etwa die umfassende Erste-Hilfe-Ausbildung, die einem auch helfe, wenn man beispielsweise privat als Erster an einer Unfallstelle auf der Straße vorbeikomme.

