Experten klären an Realschule plus in Wöllstein über Gefahren sozialer Netzwerke auf
11.02.2012 - WÖLLSTEIN
Von Torben Schröder
Was genau macht eigentlich die Europäische Kommission? In der Realschule plus in Wöllstein weiß man es, zumindest haben die Achtklässler ein Ergebnis der Arbeit des Gremiums erfahren: Anlässlich des Safer Internet Day, der auf Initiative der Kommission ins Leben gerufen wurde, wurden knapp 60 Schüler über die Risiken bei der Nutzung sozialer Netzwerke aufgeklärt. Die Verbraucherzentrale des Landes Rheinland-Pfalz hatte in Person des Mainzer Rechtsanwalts und Urheberrechts-Experten Christian Teusch einen fachkompetenten Referenten gesandt.
„Wer ist nicht in sozialen Netzwerken vertreten?“, fragte Teusch - drei Hände gingen hoch. Es waren die der drei anwesenden Lehrer. „Was nutzt ihr am meisten?“ - „Facebook!“ „Ist auch jemand bei SchülerVZ?“ - „Nö.“ Klar, Facebook ist das Online-Netzwerk schlechthin, existiert in 74 Sprachversionen, hatte im Dezember rund 845 Millionen Mitglieder weltweit und meldete am 2. Februar, dass es an die Börse gehen will. Das heißt, dass mittels der eingespeisten Mitgliedsdaten von demnächst wahrscheinlich 900 Millionen Menschen - das ist fast jeder achte auf der Welt, Säuglinge und Menschen ohne Internetzugang eingerechnet - ein kommerzielles Interesse verfolgt wird.
„Wisst ihr, was die AGB sind?“ Ja, einigermaßen. „Und hat die schon mal jemand durchgelesen?“ Gemurmel. „Den ersten und den letzten Satz“, flüstert eine Schülerin.
Es herrscht Aufklärungsbedarf. Teusch stellt das Ergebnis einer Studie vor, die nach Vorlieben und Nutzung der „social networks“ fragte. „Dampf ablassen“ wurde recht häufig genannt. Teusch klärte über Meinungsfreiheit auf und vor allem über den Punkt, ab dem eine Äußerung davon nicht mehr gedeckt ist: „Wenn man eine Person herabwürdigt“, „wenn keine sachliche Auseinandersetzung mehr besteht.“ Es wurde deutlich, wie unklar den Schülern diese Grauzone ist.
Zudem bleibt das, was ins Internet eingespeist wird, vorhanden, auch wenn es vom Nutzer gelöscht wurde. Irgendwo, vielleicht eine Weile lang unsichtbar, aber es kann wiederkommen. „Man kann doch seine Profileinstellungen ändern, sodass nur ‚Freunde‘ die Angaben sehen können“, sagt eine Schülerin. „Eine Sicherheit, dass die Daten nicht trotzdem einzusehen sind, hat man nicht“, hält Teusch entgegen.
Nicht zuletzt werden die vom Nutzer freiwillig zur Verfügung gestellten Daten zu gewerblichen Zwecken genutzt - aus Angaben zu Lieblingssportart und Alter generiert ein anderer Anbieter „personalisierte“ Werbung. „Andere können mit euren Daten Geld verdienen“, warnt Teusch. Oder freiwillig zur Schau gestellte, private Informationen böswillig ausnutzen, etwa im Falle von Pädophilie oder Mobbing.
„Man möchte sich ein stückweit präsentieren“, dessen ist Teusch sich gewiss. Aber hier ein Gefühl für rechtliche und vernünftige Grenzen zu finden, war Ziel der Veranstaltung. Sie steht in einer Reihe lose organisierter Vorträge, Elternabende und Projekte an der Wöllsteiner Realschule plus.

