Von Sascha Diehl
GRABFUNDE Neues Buch "Zwischen Römerzeit und Karl dem Großen" vorgestellt
Lange hat es gedauert, jetzt hat das Warten ein Ende. Das Buch "Zwischen Römerzeit und Karl dem Großen", das sich mit frühmittelalterlichen Grabfunden aus Worms, Rheinhessen und Westhofen beschäftigt (die WZ berichtete), wurde in der Aula der Otto-Hahn-Schule vorgestellt.
Zum Westhofener Markt, mit dem an ein wichtiges historisches Datum, der Verleihung der Marktrechte im Jahr 1334 erinnert wird, präsentierte der über beide Ohren strahlende Vorsitzende des Heimatvereins, Julius Orb, das drei Bände umfassende, insgesamt 1300 Seiten starke und rund sieben Kilo schwere Mammut-Werk.
Verständliche Emotionen, zumal die Vereinsmitglieder gewissermaßen die Vorarbeit für den dritten Band, der ausschließlich die fränkischen Gräberfunde aus Westhofen thematisiert, geleistet hatten.
Zwischen 1976 und 1979 hatten einige geschichtsbegeisterte Hobby-Archäologen gegraben, katalogisiert und die Knochenfunde oder Grabbeigaben bewahrt. Eine Leistung, ohne die das Autoren- und Herausgebertrio Dr. Mathilde Grünewald, die Direktorin des Wormser Stadtmuseums, sowie Ursula Koch und Alfried Wieczorek vom Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museum, nicht ausgekommen wären.
Der Heimatvereins-Chef schlüpfte eigens in die Rolle eines Franken und "vertrat" damit den Stamm, auf den die Geschichte der Siedlung "Seeheim" an der Seebach-Quelle, wie Westhofen seinerzeit hieß, zurückgeht. Denn: Wie Orb glaubt und die beim Kunstverlag Josef Fink erschienenen Bände belegen, waren die Franken "doch die, die dieses Fleckchen Erde entdeckt, die reich sprudelnde Quelle des Seebachs gefasst und die Auen trockengelegt haben". Jahrhunderte später, so Orbs augenzwinkernder Kommentar, hat sich "Seeheim" mit Siedlungen "befreundeter und verfeindeter Stämme, auch solchen, die ohne Not ihren alten Namen aufgaben, zusammengeschlossen zu einer Verbandsgemeinde".
Große Emotionen ließ auch Dr. Mathilde Grünewald erkennen, für die die Historie zwischen Römern und Franken mit teilweise traurigen persönlichen Schicksalen verknüpft ist. "Ich danke allen aus ganzem Herzen dafür, dass sie an das Projekt geglaubt haben", betonte die Museumsleiterin. Insbesondere die Finanzierung des 90000 Euro teuren Werkes habe für Sorgenfalten und schlaflose Nächte gesorgt. "Stellen Sie sich vor", fragte Grünewald, "es kommt jemand zu Ihnen und sagt, er will ein Buch machen, das 90000 Euro kostet, was sagen Sie da?"
Dass es letztlich geklappt habe, sei den Spenden von Orts- und Verbandsgemeinde, der VG Eich, der Stadt Worms und des Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museums ebenso zu verdanken wie dem Einsatz einer "grauen Eminenz" im Hintergrund. "Julius Grünewald", erinnerte sich die Museumsdirektorin, "setzte mir jahrelang zu, etwas über die Funde in Westhofen zu schreiben und lag mir so lange in den Ohren, bis ich begann, Alfried Wieczorek damit zu nerven".
Dass sich das Schreiben gelohnt hat, steht für Alfried Wieczorek fest. Denn: Die Westhofener Gräber seien "das einzige Gräberfeld aus dem Frühmittelalter im südlichen Rheinhessen, das so vollständig ist".

