Rhythmus ist das Wichtigste
11.02.2012 - GUNDHEIM
Von Ulrike Schäfer
ARTISTIK Birgit Höhn bringt Frauen das Jonglieren mit Tüchern bei / Motorik, Konzentration und Reaktion werden gefördert
Sechs Frauen stehen im kleinen Gymnastikraum der Gundheimer Turnhalle und werfen bunte Tücher in die Luft. Sie üben keinen Schleiertanz, sondern erlernen das Jonglieren. Ein Tuch hochzuwerfen und aufzufangen, traut sich jede zu, bei zwei Tüchern wird’s schon schwieriger, und drei Tücher in Bewegung zu halten, erfordert schon einige Konzentration und Geschicklichkeit. „Eins, zwei, drei!“ zählt Übungsleiterin Birgit Höhn. „Sie können auch puff, puff, puff oder was anderes sagen. Das Wichtigste ist der gleichmäßige Rhythmus.“
Musik ist während des Übens gut geeignet
Und damit die Jonglier-Neulinge so richtig in Fahrt kommen, stellt sie den CD-Rekorder an: „Das Lied: ,Kein Schwein, ruft mich an’ ist sehr gut zum Üben geeignet“, verrät sie. „Singt das Ihr Mann?“, fragt eine Teilnehmerin, denn natürlich weiß jede, die an diesem Kurs teilnimmt, dass Birgit Höhns Ehemann Jürgen Mister He ist - ein vielseitiger Entertainer, Pantomime und Sänger. „Nein, das ist Max Raabe“, lacht Birgit, „aber mein Mann könnte das Lied tatsächlich mal in sein Repertoire aufnehmen.“
Bevor die beiden Töchter auf die Welt kamen, stand Birgit Höhn mit ihrem Mann in zahlreichen Shows auf der Bühne. Um das Programm zu bereichern, brachte sie sich selbst das Jonglieren bei und perfektionierte diese Kunst immer mehr. „Ich habe schnell festgestellt, wie gut mir das tut“, erzählt sie. „Ich fühle mich einfach ausgeglichener und sehr viel geordneter in allem, was ich tue.“
Die medizinische Forschung bestätigt Birgit Höhns Erfahrung eindrucksvoll: Das Jonglieren verbessert Grob- und Feinmotorik, Konzentrations- und Reaktionsvermögen, vor allem aber lässt das gezielte Training der Beidhändigkeit auch bei Erwachsenen Teile des Hirns nachweislich wachsen. Regelmäßiges Jonglieren ist also eine Vorbeugung gegen Demenz.
Daran haben die Teilnehmerinnen des sechsteiligen Jonglierkurses allerdings nicht gedacht, als sie sich anmeldeten. „Ich wollte schon immer Diabolo spielen können“, erzählt Monika Niesen, die oft auch Veranstaltungen mit Kindern im Wormser Erlebnisgarten macht. Eigens für sie wird diese Sonderform des Jonglierens in den Kurs integriert. Maria Gräfin von Plettenberg, die die Hochbegabten-Initiative Worms gegründet hat, will selbst lernen, was demnächst den Kindern angeboten werden soll. Und die anderen Damen? Die hatten schon oft das akrobatische Spiel mit Bällen bewundert und waren neugierig, wie das wohl geht. Vielleicht, meinte eine, sei das auch gar nicht so übel bei Arthrose in den Fingern. Diana Bormann verspricht sich einfach viel Vergnügen von diesem Kurs: „Erst kam die Karriere, dann kamen die Kinder, jetzt kommt der Spaß“, bringt sie es auf den Punkt.
Steigerung mit Bohnensäckchen
Mit den bunten Tüchern kommen die munteren Teilnehmerinnen bald alle zurecht. Wie aber wird es nächste Woche sein? Dann wird gearbeitet mit den knuffigen „Beanbags“ (Bohnensäckchen), die ideal für Anfänger sind; fürs fortgeschrittene Stadium hält Birgit Höhn gummierte Bälle bereit, und natürlich wird auch die Tellerjonglage im Kursprogramm nicht fehlen. Wo die Jung-Jongleurinnen ihr neues Hobby anschließend ausüben, steht auf einem anderen Blatt. Anlässe gibt es genug. Davon abgesehen macht es immer Sinn, etwas für die grauen Zellen zu tun.

