Ehrgeiz noch einmal angestachelt
29.06.2010 - GAU-ODERNHEIM
Von Andreas Riechert
TAEKWONDO 44-jähriger Oliver Drexler nimmt an Senioren-WM in Korea teil
Manchmal kann ein Praktikum dem Leben eine vollkommen unerwartete Wendung geben. Im Fall von Oliver Drexler sollte sein mehrwöchiger Arbeitseinsatz in der Elektroabteilung des damaligen Massa-Marktes im Alzeyer Industriegebiet dafür sorgen, dass aus dem einstmals zurückhaltenden jungen Mann ein weltweit anerkannter und erfolgreicher Kampfsportler wurde, der heute getrost als Pionier des deutschen Taekwondos und Kickboxens bezeichnet werden kann.
Ein Video inspiriert zu neuer Leidenschaft
Ein auf dem Bildschirm flimmerndes Video von Kampfsport-Legende Bruce Lee ließ den damals 15-jährigen Ur-Gau-Odernheimer fortan nicht mehr los. „Ich stand wie gebannt davor und habe gesehen, wie er alle anderen umgehauen hat. Das hat mir unheimlich imponiert und in dem Moment habe ich beschlossen, Kampfsportler zu werden. Davor hatte ich damit überhaupt nichts am Hut“, erzählt Drexler und kann sich ein augenzwinkerndes Schmunzeln nicht verkneifen. Schließlich habe er seiner neu entdeckten Leidenschaft zunächst nach zwei Wochen schon wieder abschwören wollen. „Ich dachte, es geht alles von selbst und habe dann schnell gemerkt, dass das wohl doch nicht so ist und man viel Zeit investieren muss, um richtig gut zu werden“, erinnert sich der Familienvater. Doch Drexler blieb am Ball, trainierte weiter und verbesserte sich stetig.
Nach anderthalb Jahren dann das Schlüsselerlebnis: „Im Training hat mich damals ein Gegner lächerlich gemacht. Das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen und mich hat endgültig der Ehrgeiz gepackt“, reflektiert der gelernte Einzelhandelskaufmann.
Nachdem der Rheinhesse seine Einstellung zum Sport endgültig auf ein anderes Level gehoben hatte, ließen die großen Erfolge nicht mehr lange auf sich warten. Bereits im Alter von Anfang 20 sicherte sich Drexler 1987 bei der WM in der Münchner Olympiahalle seinen ersten Titel. Und das vor ausverkauftem Haus. „Eine einmalige Erfahrung. Das war Gänsehaut pur“, blickt der heute siebenfache Weltmeister zurück, der mittlerweile zwei Kampfsportcenter in Gau-Odernheim und Alzey betreibt und in wenigen Tagen in den Flieger nach Südkorea steigt, um bei der Senioren-WM im Taekwondo erneut um den Sieg zu kämpfen.
Die Titelkämpfe in Cheonju haben Drexlers Ehrgeiz nochmal neu angestachelt. Obwohl er seine aktive Karriere eigentlich schon seit längerem beendet hatte und sich ganz der täglichen Trainingsarbeit in seinen Kampfsportschulen widmen wollte, konnte der begeisterte Motorradfahrer der Verlockung nicht widerstehen. „Die Senioren-WM findet in diesem Jahr zum ersten Mal überhaupt statt. Da wollte ich es natürlich nochmal wissen. Und außerdem kehrt die Sportart Taekwondo mit dieser WM in Korea wieder zu ihren Ursprüngen zurück“, schwärmt Drexler. Als der 44-Jährige auf den besonderen Reiz des Kampfsports zu sprechen kommt, fangen seine Augen merklich an zu funkeln.
Weltmeister trainierten in seinen Gruppen
So sei jeder Kampf immer wieder aufs Neue eine Herausforderung. „Man lernt nie aus und es gibt immer wieder irgendwas zu entdecken. Es wird garantiert niemals langweilig“, erläutert Drexler, aus dessen Trainingsgruppen unter anderem die Weltmeister Kim Herzog und Johannes Gottwald hervorgegangen sind. Doch liegt der Fokus der Trainingsarbeit keineswegs nur auf der Förderung von Spitzenakteuren. Im Gegenteil. „Zu Wettkämpfen schicken wir nur noch selten Gruppen. Es geht vielmehr darum, den Kindern und Jugendlichen Spaß und Begeisterung am Sport zu vermitteln und sie dabei auch fürs Leben zu schulen“, betont der Gau-Odernheimer, dessen Frau Claudia früher ebenfalls Wettkämpfe bestritten hat und seine Projekte tatkräftig unterstützt.
Dass Sohn Kim sich weniger vom Taekwondo und Kickboxen, sondern vor allem vom ebenfalls in Alzey und Gau-Odernheim angebotenen Sports Chanbara faszinieren lässt, verwundert Drexler kaum. Schließlich ist der spannende Schwertkampf der Renner bei Kindern und Erwachsenen. „Das Ganze fördert die Bewegungsabläufe und ist nicht allzu schwer zu erlernen“, hebt der Kampfsport-Experte hervor. Für die anstehende WM in Südkorea kennt Drexler nur ein Ziel: „Wenn ich antrete, will ich immer gewinnen. Sonst bräuchte ich dort gar nicht erst hinzufliegen“, umreißt er seine Ambitionen.

