Von Wolfgang Bürkle
Steffen Rößler hat selten Ruhe, wenn er Hausaufgaben macht oder auf seinem Saxofon musiziert. Denn der Achtjährige wird ständig von Arni abgelenkt. Arni ist ein etwa ein Jahr alter Rostkappenpapagei mit grünem Federkleid auf dem Rücken und, wie es der Name andeutet, rostfarbenen Federn auf dem Kopf.
Arni liebt es, mit Steffen zu spielen, er knabbert gerne an Stiften und ist, so sagt Steffens Vater Thorsten, sehr zutraulich. Diese ungewöhnlich enge Verbindung zwischen einem Mensch und dem kleinen Papagei ist auch dem Fernsehsender Vox nicht entgangen. Ein Filmteam der Sendung “hundkatzemaus" war unlängst bei Familie Rößler zu Gast, um das neckische Treiben zu beobachten.
Zucht seit 1995
“Das Team war rund sechs Stunden bei uns zu Gast und filmte, wie Steffen und Arni miteinander umgehen, aber auch, wie wir Papageienbabys füttern", erzählt Mutter Ulrike Rößler. Denn gemeinsam mit ihrem Mann züchtet sie seit knapp 15 Jahren Papageien. “1995 bekamen wir den ersten geschenkt, dann wurden es mit der Zeit immer mehr", erinnert sich Thorsten Rößler. Jetzt haben sie 35 Paare in großen Volieren außerhalb von Flonheim und ein eigenes Geschäft, in dem sie Papagei-Zubehör anbieten.
Ein zeitintensives Hobby, denn die Vögel müssen zwei Mal am Tag gefüttert werden; Jungtiere, die nicht von ihren Eltern angenommen werden, sogar alle zwei Stunden auch nachts. Steffen ist mit den vielen Papageien groß geworden, doch nur mit Arni gibt es diese intensive Verbindung. Er suchte ihn sich als Jungtier heraus, beide sind seitdem unzertrennlich.
Auch in der Schule hatte er ihn schon dabei, als es um Haustiere ging. “Ich konnte ein Referat über Rostkappenpapageien halten und habe auch ein Plakat dazu gebastelt", erzählt er stolz. Seine Mitschüler waren von dem Federtier sehr angetan genauso wie Diana Eichhorn, die Moderatorin der Vox-Sendung “hundkatzemaus". “Es gab schon ein Drehbuch davon, was gefilmt werden sollte", erinnert sich Ulrike Rößler.
Bis unter die Dusche
Während das Filmen der Handaufzucht der Jungtiere relativ problemlos ging, waren die Arbeiten mit Arni etwas komplizierter. “Er ist ja nicht wirklich dressiert, sondern macht das, wozu er Lust hat", bedenkt Thorsten Rößler. “So kletterte er der Moderatorin auf dem Kopf herum und machte Sachen, die drei Mal gefilmt werden mussten, bis das Drehteam zufrieden war."
Steffen ist gerne mit seinem tierischen Begleiter zusammen, der nicht nur auf ihn wartet, dass er von der Schule nach Hause kommt, sondern ihm durchaus unter die Dusche folgt oder sich auf dem Sofa mit unter die Decke legt - ein eher untypisches Verhalten für einen Rostkappenpapagei. “Arnis Schwester Susi ist das genaue Gegenteil von ihm - viel eigensinniger und nicht so gemütlich", ist sich die Familie sicher.
Die Freundschaft zwischen Steffen und Arni ist so eng, dass seine Mutter manchmal einschreiten muss, damit er in Ruhe seine Hausaufgaben macht.“Wenn Arni denkt, ich werde von einem Freund bedroht, weil dieser hektische Bewegungen macht, dann wird er auch schon mal etwas sauer und beißt zu", hat der Achtjährige festgestellt.
Das neueste Spielzeug hat Arni schon: ein kleines Holzskateboard. “Wir haben bisher nicht groß versucht, einen der Papageien zu dressieren. Mit Arni wollen wir aber mal ein bisschen üben, um zu sehen, ob er da mitmacht", ist Ulrike Rößler zuversichtlich. Ein weiteres “Geschenk" soll in der nächsten Zeit noch auf Arni zukommen: eine Gefährtin.

